Butterflys
~ The animal I have become ~



I can't escape this hell
So many times i've tried
But i'm still caged inside
Somebody get me through this nightmare
I can't control myself

So what if you can see the darkest side of me?
No one will ever change this animal I have become
Help me believe it's not the real me
Somebody help me tame this animal

I can't escape myself
So many times i've lied
But there's still rage inside
Somebody get me through this nightmare
I can't control myself


Intro:

Unser Schicksal suchen wir uns nicht aus. Es liegt in unsere Genen. Und wir ergeben uns ihm, wenn es und gewählt hat, geben sich ihm hin und gehen den Weg, der sich vor uns ausbreitet.

Schicksal, diese Macht, die uns gefangen hält und am Ende, irgendwann, wieder ausspuckt. Denn das Schicksal fordert seine Opfer, wenn wir es herausfordern.


Prolog

Charlie

Schnurrend streckte sich die schwarzbraune Katze auf dem Fensterbrett und legte den Kopf auf die Pfoten. Aus ihren grünen Augen musterte sie die Wohnung. Ein schönes zu Hause. Gemütlich. Sie war gerne hier und sah dem Mann, einem Polizisten, und seiner Frau bei ihrem Leben zu. Eigentlich sah sie nur ihm gerne zu. Die Frau mochte sie nicht und vor allem mochte sie nicht, was sie sah, wenn die Frau alleine zu Hause war. Manchmal hätte sie dem Mann gerne gesagt, dass seine Frau ihn betrog, aber was sollte sie machen, schnurrend um seine Beine streifen, in der Hoffnung, er würde sie verstehen?

Sie hatte geträumt, wie immer, seit so vielen Nächten. In ihren Träumen stand sie auf einem verlassenen Dach und blickte über New York. Sie hörte Schritte hinter sich und als sie sich umwandte, sah sie ihr Spiegelbild. Es war nicht ihr Ebenbild. Die junge Frau, die vor ihr stand und die Augen vor der Sonne abschirmte, war etwas größer als sie, drahtig, mit dunklen Haaren und einem leicht fiesen Grinsen auf ihren Lippen. Ein echtes Spiegelbild hätte dickere Haare gehabt, geschmeidige Bewegungen und ein offenes Gesicht.

Die Katze hörte ein Geräusch hinter sich, machte einen Buckel und sprang fauchend die Feuertreppe hinunter. Nur Sekunden später bog unten auf der Straße eine Frau um die Ecke, die vorher niemand gesehen hatte, die schwarzbraunen Haare legten sich widerspenstig um ihr Gesicht.

Jade

„Energie geht nicht verloren“, sagte der Professor und schrieb eine komplizierte Formel an die Tafel. Die anderen Studenten begannen mitzuschreiben, während Jade nervös mit ihrem Stift auf die Tischplatte trommelte. Die Studentin neben ihr sah sie verärgert an, aber Jade störte das nicht. Sie verstand die Formeln und das ganze physikalische Gesülze eh nicht. „Professor?“ Jade hatte die Hand gehoben. „Wenn Energie nicht verloren geht, dann kann man sich doch alle Energie zu nutze machen, oder?“ „Natürlich, das tun wir doch auch. Durch Wasser- oder Windenergie gewinnen wir zum Beispiel Strom.“ Jade schüttelte den Kopf. „So meine ich das nicht. Können wir Menschen Energie direkt nutzen?“ Der Professor sah sie zweifelnd an. „Ja, Sie alle nutzen die Energie, die Sie durch Nahrung auf sich nehmen.“ Jade seufzte. Sie wusste nicht, wie sie ihre Frage formulieren sollte, so dass er sie verstand, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen. Sie packte ihre Sachen zusammen und verließ den Hörsaal.

Auf dem Heimweg spürte sie, dass ein Gewitter heranzog. Der Himmel war klar, noch keine Anzeichen dafür, aber sie spürte das wohlige Kribbeln in ihren Fingerspitzen. Als sie die Veranda ihres Elternhauses erreicht hatte, begann es zu regnen und die ersten Blitze folgten dem Donner.

Jade blieb stehen und sah in den Himmel. Langsam schloss sie die Augen und spürte das Kribbeln in ihrem Körper und den Regen auf ihrem Gesicht. Morgen schon würde sie im Flugzeug nach New York sitzen und sich nie wieder nach ihren alten Leben, das nur eine Lüge war, umsehen.

Kapitel 1

Sie ging die Treppe hinauf und öffnete die Tür, die zum Dach führte. Wie immer stand dort die junge Frau und blickte über die Stadt. Doch diesmal bemerkte sie ihr erscheinen sofort und drehte sich zu ihr um. "Du hast mich erwartet?" fragte Jade. Ihr Gegenüber nickte nur und kam dann näher. Jade ballte ihre Fäuste als die Frau weitersprach: "Ich weiß, was du getan hast." Jade ging langsam an ihr vorbei und legte dabei den Kopf schief. Die Frau ließ ein Fauchen hören, das klang, als würde es von einer Raubkatze kommen. "Du willst etwas über mich wissen?" Jade lachte verächtlich und blieb dann abrupt stehen. Ihre Handfläche vibrierte und sie konnte sich kaum zurückhalten." "Ich erinnere mich", hörte sie die andere sagen. Jade kniff die Augen zusammen. "An was? Wir kennen uns nicht..." Die junge Frau lachte nur auf und duckte sich, als sie spürte, wie Jades Hand sich um ihren Hals schließen wollte. Dann war sie verschwunden, nur eine Maus huschte über das Dach...

Jade schrak hoch und sah in die Augen der Stewardess. „Schnallen Sie sich bitte an, wir landen gleich.“ Jade nickte und legte den Sicherheitsgurt an. Kurze Zeit später stand sie mit ihrem Rucksack vor dem Flughafengebäude. Sie musste nicht lange warten bis ein Wagen hielt, ein Mann im Anzug ausstieg und sie bat mitzukommen. Sie erkannte seine Stimme sofort. Sie war rau und hart. Sie hatte die Stimme schon am Telefon nicht gemocht.

„Miss O` Conner“, sagte er und reichte ihr ohne weitere Begrüßung einen Umschlag. Jade öffnete ihn und holte einen schmalen Aktenordner hervor. „Sehen Sie sich die Bilder in Ruhe an. Wir haben Ihnen eine Wohnung gemietet. Leben Sie sich ein, nehmen Sie Kontakt zu ihren Zielpersonen auf und erledigen Sie den Rest, so wie Sie es gelernt haben.“

Gelernt… Jade konnte sich nicht einmal mehr an die Zeit, in der sie all diese Dinge gelernt haben soll, erinnern. Die Kindheit und Jugend, an die sie sich erinnerte, waren nichts weiter als ein Film, von dem sie geglaubt hatte, er sei real.

Man setzte Jade vor einem Hochhaus ab und gab ihr den Schlüssel. „Melden Sie sich, wenn Sie etwas brauchen.“ Der Mann, dessen Namen sie immer noch nicht kannte, steckte ihr ein Bündel Geld zu und gab dann dem Fahrer ein Zeichen.

Jade ging die Treppe hinauf und steckte den Schlüssel in das Schloss ihres neuen zu Hauses, als plötzlich eine Stimme hinter ihr ertönte: „Na endlich zieh hier mal jemand ein.“ Sie drehte sich um und ein dunkelhaariger junger Mann lächelte ihr offen entgegen. „Ich bin Peter Petrelli.“ „Jade“, sagte sie und reichte ihm die Hand. „Ohne Nachnamen?“ „Ja.“ Plötzlich zog er seine Hand zurück und auch Jade zuckte zusammen, als sie eine Art elektrischen Schlag spürte. Doch augenblicklich kehrte das Lächeln auf Peters Gesicht zurück. „Na dann, auf gute Nachbarschaft.“ Jade nickte nur und verschwand in ihrer Wohnung. Sie sah auf ihre Hand, die leicht zitterte, aber das konnte nicht sein. Es waren keine Lampen an gewesen, kein Gewitter herrschte draußen. Woher sollte die Energie gekommen sein?

***

Charlie fuhr sich durch die Haare und sah Mr. Bennet fragend an: „Und das bin ich?“

“Das seid ihr“, antwortete er und schaltete den Videorekorder aus. Charlie griff sich in den Nacken, wo sie die kleine Narbe spüren konnte. Mr. Bennet nickte zu einer ungestellten Frage: „Genau von damals habt ihr dieses…“ „Brandzeichen? Stempel?“ Charlie hatte die Stimme erhoben und starrte auf den dunklen Fernsehbildschirm. „Dann sind meine Eltern nicht meine Eltern und ich bin nur ein beschissenes Versuchskaninchen, dessen Gedächtnis gelöscht wurde?“ Ihr Gegenüber nickte und Charlie fühlte sich als wäre sie kurz davor zu explodieren. „Und warum?“ fauchte Charlie und es war ein wirkliches Fauchen, tief aus ihrer Kehle. Mr. Bennet machte einen Schritt zurück und sah dann aus dem Fenster. „Ich hatte damals nicht viel mit euch zu tun. Ich habe nur eure Familien ausgesucht.“ „Unsere neuen Familien… Kennen Sie unsere wirkliche Familie?“ Er hatte ihr den Rücken zugewandt und schüttelte den Kopf. Charlies Intuition sagte ihr, dass er log und gleichzeitig auch, dass er es nicht zugeben würde, deswegen kam sie zu etwas, was sie ihm erzählen wollte.

„Ich träume von ihr. Schon seit einigen Monaten, aber die Träume werden immer realer und diese Nacht, da war es, als wäre sie mir näher als sonst.“

Mr. Bennet wandte sich ihr zu: „Sie wird auch nach New York kommen und vielleicht ist sie sogar schon hier.“

„Und sie sucht mich?“

“Nicht nur dich…“, war die leise Antwort. Er sah ihr in die Augen. „Ich lasse dir die Videos hier, eure Akte und meine Telefonnummer, aber ich kann nicht bleiben. Ich muss zurück nach Texas.“

„Sind wir auch aus Texas?“ fragte Charlie. „Nein“, sagte Mr. Bennet und zog sich seine Jacke an. Er reichte ihr die Hand und als sie seine ergriff, legte er seine andere Hand noch darüber. „Pass auf dich auf.“ Charlie sah ihm verwirrt nach und ließ sich dann auf die Couch fallen, wo sie das Video wieder anschaltete.

Sie sah sich als ca. fünfjähriges Mädchen in einem bunten Spielzimmer, wo sie mit einer Art Nanny sprach. Sie sah glücklich aus und plapperte fröhlich von einem Ausflug, den sie gemacht hatten. Die Nanny lachte und sagte dann: „Was willst du heute sein?“ Charlie zuckte mit den Schultern. „Vielleicht eine Katze?“ „Aber das warst du doch schon gestern. Versuch doch mal etwas anderes.“ „Ich mag Katzen.“ „Wie wäre es mit einer großen Katze?“ Charlie legte den Kopf schief und nickte dann. Im nächsten Moment saß ein Leopard vor der Frau und ließ ein Grollen hören. „Charlie“, sprach die Frau den Leoparden ruhig an, bis dieser sich auf den Boden legte und zu ihr aufsah.

Auf der anderen Seite des geteilten Bildschirms sah sie dieses andere Mädchen. Ebenfalls fünf, aber nicht in einem Spielzimmer, sondern in einem kahlen Raum. Dieses Mädchen schrie und über ihr platzten die Glühbirnen, dann schoss ein Blitz aus ihren Händen und traf die junge Frau, die mit einem Tablett ins Zimmer kam. Diese sackte zusammen und das Mädchen sah mit einem Lächeln auf ihre Hände. Hinter der getöteten Frau kam ein Mann in den Raum und streckte die Arme nach dem Mädchen aus. Dieses sprang ihm in die Arme. Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Fantastisch, Jade, du wirst immer besser.“

Kapitel 2

Jade saß auf ihrem Bett und schlug die Akte auf. Sie blätterte durch die Namen und Bilder. Zu jeder Person war daneben noch eine kurze Notiz zur Biographie beigefügt worden. Jade berührte es nicht weiter, bis sie plötzlich ein Gesicht sah und den Ordner beinahe fallen ließ. Sie kannte dieses Gesicht, es war das aus ihren Träumen!

Charlie Miller; arbeitet als Anwaltsgehilfin; lebt alleine, hat auch sonst wenig soziale Kontakte; ist ein Gestaltwandler, kann sich in beinahe jedes Tier verwandeln, bevorzugt aber die Gestalt einer Katze.

Neben diesen Informationen waren noch die Adressen von Charlie Millers zu Hause und ihrer Arbeit angegeben.

Jade beschloss sich nicht sofort auf die Suche nach ihr zu machen. Sicherlich wollte sie wissen, wer Charlie war und warum sie immer wieder in ihren Träumen auftauchte, aber sie spürte intuitiv, dass sie noch nicht so weit war, ihr zu begegnen.

Sie legte die Akte auf den Nachttisch. Die anderen Zielobjekte konnte sie sich auch noch einen anderen Tag genauer betrachten. Sie hatte eh schon beschlossen, wen sie als erstes aufsuchen würde.

Jade schaltete das Licht aus und versuchte zu schlafen, doch sie fand keine Ruhe. Durch die geschlossenen Fenster konnte sie den Lärm der Straße hören. Die Menschenmassen, die durch die Straßen trieben. Es war als wäre die Energie dieser vielen Menschen ein Brummen, das in Jades Kopf vibrierte. Und die Autos, die vielen Autos. In ihrem ländlichen zu Hause hatte sie höchstens die Energie eines Gewitters gespürt, in New York war das ganz anders, was sie fühlte, machte sie unruhig, nervös.

Sie erhob sich und beschloss auf das Dach ihres Hauses zu steigen. Als sie die Tür öffnete und in die klare, kühle Nachtluft trat, sah sie sofort, dass sie nicht allein war. Am Rand saß Peter auf der Brüstung und bemerkte sie erst, als sie neben ihm stand.

Der Blick, mit dem er sie musterte, war seltsam, als würde er sie etwas fragen wollen, sich jedoch nicht trauen.

„New York ist laut“, sagte Jade. Peter lachte: „Kein Großstadtkind?“ Jade schüttelte den Kopf und lehnte sich über die Brüstung. „Ich bin in Wyoming aufgewachsen.“ „Und was hast du dort gemacht?“ „Versucht mich selbst zu finden und nebenbei studiert. Physik und Biologie, aber nie ein Wort verstanden und nun bin ich hier.“ „Brauchst du einen Job?“ fragte Peter. Jade zögerte kurz. Einerseits wollte sie so unauffällig wie möglich sein, andererseits würden sie geregelte Arbeitszeiten nur behindern, also schüttelte sie den Kopf und ergänzte: „Ich hab schon einen. Mein … Onkel … hat mir geholfen einen zu finden.“

Als Peter schwieg, fragte sie: „Und was machst du?“ „Ich bin Krankenpfleger. Bis vor einer Weile habe ich Sterbende betreut. Jetzt, na ja, suche ich eher nach einer Veränderung.“

Jade sah Peter von der Seite an, welcher seinen Blick wieder auf die nächtliche Stadt gerichtet hatte.

„Kennst du dich mit Genetik aus?“ fragte er plötzlich. „Ja, das war mein Schwerpunkt im Biologiestudium, was nicht heißt, dass ich da irgendwas verstanden hätte.“ „Kennst du das Buch „Activating Evolution“ von Chandra Suresh?“ Als Peter sich ihr zuwandte, blickte Jade weg. „Nein, nie von ihm gehört“, log sie.

Natürlich hatte sie das Buch gelesen. Mehr als einmal und am Ende hatte sie es wütend in die erstbeste Mülltonne geworfen. Sie verstand nicht, wie dieser Mann sich anmaßen konnte, sie heilen zu wollen! Sie litt nicht an einer Krankheit, sie war begnadet! Sie hatte zwar von seiner Tochter gelesen, die auch besondere Fähigkeiten hatte und an einer Art Virus gestorben war, aber Suresh wollte nicht nur diesen Virus auslöschen, er wollte mehr, das hatte Jade zwischen den Zeilen gelesen.

„Gute Nacht, Peter“, sagte sie und verließ das Dach. Wieder in ihrer Wohnung nahm Jade die Akte vom Nachttisch und schlug die letzten Seiten auf. Ob Peter einer von ihnen war?

***
Charlie war irgendwann vor dem Fernseher eingeschlafen und die Videos hatten sich in ihre Träume gemischt. Als sie aufwachte, waren die Bilder ein Teil ihres Bewusstseins geworden. Sie konnte sich zwar immer noch nicht an dieses Leben mit ihrer Schwester erinnern, aber es fühlte sich vertraut an.

Während Charlie sich einen Kaffee kochte, fragte sie sich, ob Jade die gleichen Träume hatte und ob sie auf Chandra Sureshs Liste stand. Sie beschloss nach der Arbeit zu Mohinder zu fahren, zu dem sie seit dem Tod seines Vaters Kontakt gehalten hatte. Doch erstmal war noch ein bisschen Zeit für ihren allmorgendlichen Besuch.

Das Fenster war wie immer geöffnet und Charlie war kurz davor eine Pfote hineinzusetzen, doch dann entschied sie sich dagegen. Sie wollte nicht noch mehr in seine Privatsphäre eindringen, als sie es eh schon tat. Also rollte sie sich auf dem Fensterbrett zusammen und döste leicht vor sich hin, bis der Mann in seiner Polizeiuniform in der Küche erschien. Er setzte sich einen Kaffee auf und kam auf sie zu. „Guten Morgen, du“, sagte er leise und strich ihr durchs Fell. Charlie schnurrte.

„Matt!“ ertönte die nervige Stimme seiner Frau. Charlie sah, wie der Angesprochene kurz die Augen schloss und sich dann mit einem Lächeln umdrehte. Matt, hieß er also, dachte Charlie. Seine Frau erschien im Morgenmantel. „Vergiss nicht, dass ich nachher den Termin beim Frauenarzt habe. Du solltest dabei sein. Wir können vielleicht zum ersten Mal unser Kind sehen!“

Charlie schoss fauchend in die Höhe und verkrampfte sich zu einem Buckel.

„Und jag endlich diese Katze ein für allemal davon!“

Als die Frau wieder im Schlafzimmer verschwunden war, drehte Matt sich zu Charlie. „Hast du gehört, du sollst nicht mehr wiederkommen, aber ich sag dir was, wir lassen uns einfach nicht erwischen, dann kannst du mich weiter jeden Morgen besuchen.“

Charlie stupste mit dem Kopf gegen die Hand, die Matt ihr hinhielt. „Na gut, dann muss ich jetzt zur Arbeit und du hast sicherlich auch etwas zu tun.“ Er strich ihr ein letztes Mal durch das Fell und wandte sich dann ab.

Charlie erhob sich und huschte geschmeidig die Feuerleiter hinunter. In der Seitenstraße verwandelte sie sich zurück. Wenn sie ein Mensch war, waren ihre Gedanken einfach klarer. Als Tier merkte sie, wie sich das Animalische durchsetzte und sie nicht immer alles kontrollieren konnte, so wie das Fauchen als sie erfahren hatte, dass die Frau schwanger war. Und warum nur war Charlie sich sicher, dass das Kind nicht von Matt war.

Es war später Nachmittag als Charlie bei Mohinder ankam. Er telefonierte, ließ sie aber in die Wohnung und gab ihr mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er gleich für sie da sein würde. Charlie nickte nur und ging in sein Büro, wo noch die Karte hing, die sein Vater angefertigt hatte. Einige Fotos waren durchgestrichen. Das waren Menschen, die tot waren, die meisten getötet von Sylar, der auch Mohinders Vater auf dem Gewissen hatte, und den Mohinder seither jagte. Charlie studierte die Fotos genau, doch sie konnte Jade nicht entdecken.

„Suchst du etwas Bestimmtes?“ Mohinder war hinter ihr erschienen und sah ihr über die Schulter. „Hm…ja, ich hab dir doch von meinen Träumen erzählt und sie werden immer realer und … es klingt vielleicht merkwürdig, aber ich wollte gucken, ob sie vielleicht eine von … von uns ist.“ „Ich habe noch längst nicht alle auf die Karte übertragen und es kommen auch jeden Tag neue dazu. Vielleicht kann sie in Träume eindringen…“ Charlie unterbrach ihn: „Nein, ich glaube, wenn dann ist ihre Fähigkeit eine andere.“ Mohinders Blick war fragend, aber obwohl sie ihm vertraute, wollte sie ihm nicht von Mr. Bennet und der Enthüllung, dass sie eine Schwester hatte, erzählen. Doch dann platzte es aus ihr heraus: „Gestern war ein Mann bei mir, er arbeitet für eine Organisation, die … ich weiß auch nicht genau was sie machen, aber sie haben etwas mit Menschen wie mir zu tun.“

Mohinder zog Charlie mit sich auf die Couch. „Erzähl, was wollten sie von dir?“ Und Charlie begann zu erzählen.

„Dieser Mr. Bennet rief mich vor einer Woche an und fiel gleich damit ins Haus, dass er wisse, dass ich mich verwandeln könnte. Er meinte, er könne mir nicht sagen, für wen er arbeitet, aber er hätte wichtige Informationen. Das kam mir alles sehr Spanisch vor, aber ich habe mich trotzdem mit ihm getroffen. Vor zwei Tagen in einem Cafe, dort hat er mir von seiner Tochter erzählt, Claire…“

Mohinder sprang auf und zeigte auf die Karte: „Claire Bennet aus Texas. Sie kann sich heilen.“

Charlie nickte und fuhr fort: „Wir haben uns lange unterhalten und er hat mir erzählt, dass ich adoptiert wurde, das hab ich aber schon lange gedacht. Er kennt meine richtigen Eltern nicht, aber er kennt meine Zwillingsschwester. Jade. Das Mädchen aus meinen Träumen.“

„Und sie hat dieselben Fähigkeiten wie du?“ hakte Mohinder nach.

„Nein, sie kann Energie umwandeln. Ich weiß nicht genau, wie ich das erklären soll, Mr. Bennet wusste es auch nicht. Jedenfalls, das Wichtigste ist, dass wir verschieden erzogen oder geprägt wurden. Ich hab Videos gesehen. Ich wurde wie ein relativ normales Mädchen behandelt. Ich hatte Spielzeug, Spaß und eine Nanny, die wie eine Freundin und Mutter war. Natürlich hat man meine Fähigkeiten gefördert und ich hab auch gelernt, wie ich mich verteidigen kann, aber Jade, sie hat gelernt, wie man angreift. Sie war isoliert und wurde zu einer Kampfmaschine erzogen.“

Mohinder hatte die Stirn in Falten gelegt: „Für was?“

“Wenn etwas nicht so läuft, wie es sich diese Organisation gedacht hat, dann ist sie dafür da um … Leute wie mich umzubringen. Und ich kann sie aufhalten.“

“Was könntet ihr zusammen alles…“, sagte Mohinder nachdenklich und sah Charlie an.

Kapitel 3

Am nächsten Morgen klopfte es an Jades Tür. Sie war schon auf, saß aber noch auf dem Bett und hielt die Akte, in der sie die ganze Nacht gelesen hatte, in der Hand. Sie kannte nun alle ihre Zielpersonen, wusste, welche in New York waren und für welche sie die Stadt würde verlassen müssen.

Es klopfte erneut. Sie wusste, dass es Peter war, und um das zu wissen, brauchte sie nicht mal irgendeine Fähigkeit. Jade schob den Ordner unter das Kopfkissen und öffnete die Tür.

„Du hattest gestern ja sicherlich keine Zeit noch einkaufen zu gehen“, sagte Peter und hielt ihr eine Tasse Kaffee und eine Tüte mit Bagels hin. Unter seinem Arm klemmte das Buch von Chandra Suresh. „Und ich dachte, dass du vielleicht doch mal einen Blick hineinwerfen möchtest.“ Jade lächelte und nahm ihm die Sachen ab, dabei achtete sie darauf, ihn nicht zu berühren.

Sie wusste jetzt, was passiert war als sie sich die Hände geschüttelt hatten. Aber Jade fragte sich, ob Peter ihre Fähigkeit schon angenommen haben konnte, denn immerhin war diese in dem Augenblick nicht aktiv gewesen.

„Gut, ich lass dich dann mal frühstücken. Wenn du etwas brauchst, kannst du jederzeit bei mir klopfen.“

“Danke“, sagte Jade. Es wäre ein leichtes gewesen Peter jetzt zu töten. Sie hatte die Hand auf dem Lichtschalter liegen. Es wäre nicht viel Energie, die sie freisetzen würde, aber genug um ihn auszuschalten und den Rest konnte sie danach erledigen. Doch Jade wusste, dass sie damit verdächtig sein würde und sie brauchte keine wachsamen Augen, die ihr folgten.

Jade schloss die Tür, lehnte sich dagegen und legte die Sachen auf den Tisch, dann zog sie ihr Handy aus der Hosentasche.

„Haben Sie gewusst, dass einer von ihnen mein Nachbar ist?“ Die Stimme am anderen Ende der Leitung, sie hatte beschlossen ihren namenlosen Auftraggeber Mr. Smith zu nennen, räusperte sich und klang ehrlich überrascht: „Welcher von ihnen?“ „Peter Petrelli.“ „Ausgeschaltet?“ „Dann könnte ich mir auch gleich ein Schild mit der Aufschrift „Verdächtig“ um den Hals hängen“, schnaufte Jade. „Ich kümmere mich als erstes um diesen Polizisten. Ich rufe Sie an, wenn es soweit ist.“

Jade klappte das Handy zu, trank den Kaffee und beschloss die Bagels mitzunehmen. Sie wollte sich mit der Stadt vertraut machen bevor sie überhaupt etwas anderes tat.

Bagels essend erkundete sie zuerst einmal die nähere Umgebung, prägte sich alles ein, jede Seitenstraße, jeden Hintereingang, jede Möglichkeit sich zu verstecken oder schnellstmöglich zu verschwinden.

Schließlich stieg sie in die U-Bahn und wusste, als sie eine Station später wieder ausstieg, dass sie die U-Bahn lieber meiden sollte. Zu viele Menschen, zu hektisch und dann die Technik, Handys, Laptops, IPods. Jade hatte nicht gewusst, dass sie so empfindlich war, aber wenn sie mittendrin war, merkte sie, wie schwer es ihr fiel, sich zurückzuhalten, sich zu kontrollieren.

Sie stand auf dem Bahnsteig und die Menschen strömten an ihr vorbei. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten, doch das Kribbeln hörte nicht auf, wurde nur immer stärker. Sie musste sofort raus hier, auf die Straße. Als Jade sich ruckartig umdrehte und gegen die Person hinter ihr prallte, verlor sie kurz die Kontrolle und ein schwacher Stromsturz durchfuhr die Person, mit der sie zusammengestoßen war. Jade wusste, wie man sich verhielt, wenn so etwas passierte. „Autsch“, sagte sie und schüttelte ihre Hand. „Einer von uns muss heute ganz schön geladen sein“, witzelte die grauhaarige Frau und schenkte Jade ein Lächeln. Jade lächelte zurück, entschuldigte sich für ihre Unachtsamkeit und ging Richtung Ausgang. Die Frau hatte nichts Außergewöhnliches bemerkt, doch dafür jemand anders.

***

Charlie war an diesem Morgen nicht an Matts Fenster erschienen. Sie hatte sich auch von der Arbeit frei genommen und war zu Mohinder gefahren, um ihm die Videos zu zeigen. Sie wusste, dass Mohinder alles mit anderen Augen betrachten würde, mit den Augen eines Wissenschaftlers und sie hoffte, dass ihr das neue Erkenntnisse bringen würde.

„Mich hat gerade ein gewisser Zane Taylor angerufen. Endlich mal jemand, der zurückruft. Er kann Gegenstände verflüssigen und ich soll nachher zu ihm fahren.“ Mohinder wirkte ausgelassen und Charlie wusste, wie viel es ihm bedeutete, andere zu finden, die besondere Fähigkeiten hatten. „Schmeiss mich dann einfach raus“, sagte sie und legte das erste Band in den Rekorder.

Als sie am Ende des ersten Videos angelangt waren, das ungefähr bis zu Charlies und Jades drittem Lebensjahr ging, fragte Mohinder: „Habt ihr euch jemals sehen dürfen?“ Sie nickte. „Ja, später. Im nächsten Video sieht man wie sie Jade in mein Zimmer bringen. Da sind wir fünf, sechs, höchstens sieben. Und weißt du, was das erste ist, was sie macht? … Ich zeigs dir.“

Charlie spulte vor zu der genannten Stelle vor und Mohinder blickte auf den Bildschirm, wo Charlie sich freute, dass sie mit Jade spielen durfte und gleich begann von den Ähnlichkeiten in ihren Gesichtern zu sprechen. „Wir sind uns nicht ähnlich“, sagte Jade bestimmt. „Ich kann Dinge, die du nicht kannst!“ „Ich kann auch etwas Besonderes“, antwortete Charlie und verwandelte sich. Jade legte den Kopf schief. Die Neonröhren an der Decke gingen an und Jade streckte die Hand aus. Die Lampen zersprangen und kurz darauf lag die Katze zuckend in der Ecke und die Kamera ging aus.

„In den Akten steht, dass man mich wieder beleben musste“, sagte Charlie und sah Mohinder an. Als er nichts sagte, sprach sie weiter: „Man hat uns noch einige Male aufeinander losgelassen. Irgendwann war ich ihr nicht mehr unterlegen.“ Mohinder wirkte nachdenklich, ging aber nicht auf das ein, was Charlie gesagt hatte. „Zeig mir das letzte Band.“

„Ihr seid 14 gewesen als man euch in Familien gegeben hat?“ Mohinder wirkte überrascht. „Wenn du jetzt fragen willst, warum wir uns nicht erinnern, man hat uns das Gedächtnis gelöscht und durch wundervolle Kindheitserinnerungen ersetzt.“

Mohinder strich Charlie über die Wange, doch sie drehte sich weg und sagte nur: „Sieh dir das Video an.“

Es war die kürzeste Aufnahme von allen, die vor allem aus psychologischen Gesprächen mit Charlie und Jade bestand. Mohinder schaltete irgendwann mit den Worten „Psychologie ist dann doch nicht mein Gebiet“ ab. „Ich hab die Auswertungen gelesen. Wir sind beide geistig gesund, aber emotional gestört. Wen wunderts.“ Charlie lachte bitter. „Warum hat man euch in Familien gegeben?“ Charlie zuckte mit den Schultern. „Vielleicht sind wir wie diese russischen Schläfer, die irgendwann mit einem Codewort aktiviert werden.“ Mohinder wollte etwas erwidern, als das Telefon klingelte.

„Mr. Taylor? … Ja, natürlich kann ich auch später vorbeikommen. Gut, dann melden Sie sich noch mal.“

Mohinder seufzte: „Ihm ist etwas dazwischen gekommen. Ich hoffe, er meldet sich überhaupt noch einmal.“ Er fuhr sich durch die Haare. „Wollen wir Essen gehen? Dann können wir uns noch weiter unterhalten und ich ertrag dieses Zimmer nicht den ganzen Tag.“ Charlie nickte und packte ihre Sachen zusammen. Plötzlich hielt Mohinder sie am Arm fest: „Sie wurde ausgebildet um dich und die anderen zu töten und Mr. Bennet hat gesagt, sie sei auf dem Weg nach New York…“ „Ich weiß, was das heißt“, meinte Charlie leise. „Du hast vorhin das mit den Schläfern gesagt…“ „Das war ein Witz, Mohinder!“ „…vielleicht war der Besuch von Bennet dein Codewort.“

Kapitel 4

Jade hatte nicht gemerkt, dass ihr jemand gefolgt war. Sie war zu Matt Parkmans Wohnung gegangen und hatte sich den Häuserblock angesehen, dann hatte sie ein paar Notizen in ihrem Kalender gemacht.

Als Jade den Stift in ihre Hosentasche steckte, sah sie, dass Parkmans Frau gerade zu ihrem Auto ging. Jade beobachtete sie mit gesenktem Kopf und hörte wie sie in ihr Handy motzte: „Und wehe du schaffst es nicht pünktlich! Ich fahr jetzt los zum Arzt.“

Auf so eine Gelegenheit hatte Jade gewartet. Sie klingelte im gesamten Haus bis jemand aufmachte, ohne wissen zu wollen, wer da war. Jade hatte schnell die richtige Wohnung gefunden und verschaffte sich zutritt, in dem sie mit ein paar Handgriffen das Schloss öffnete. Als sie die Tür mit dem Fuß aufstieß, hielt sie einen Moment inne. Bis zu diesem Moment hatte Jade nicht einmal gewusst, dass sie ein Schloss aufbrechen konnte und das auch noch ohne es dabei kaputt zu machen!

Jade stand in einem aufgeräumten, aber nichts sagendem Wohnzimmer. Das Schlafzimmer war ebenso uninteressant. Jade öffnete die Schränke, sah unter das Bett, doch es gab wirklich nichts, das auch nur annährend die Neugier von Jade hätte wecken können.

Schließlich stand sie in der Küche und betrachtete die elektrischen Geräte. Die Mikrowelle war schon defekt. Es wäre fast zu einfach. Aber Jade wollte Matt kennen lernen, weil sie ihn etwas fragen wollte.

Sie zog die Tür hinter sich zu und hoffte wirklich keine Spuren hinterlassen zu haben. Während sie die Treppe hinab ging, beschloss sie sich ein paar Handschuhe zu zulegen um bei ihrem nächsten Einbruch keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Sicher war sicher.

„Einbrechen in fremde Wohnungen, sollte das nicht jemand melden?“

Jade hob den Kopf und sah, dass ein Mann an den Briefkästen lehnte und ihr entgegenblickte.

Sie antwortete nichts, hielt nur seinem Blick stand, als er sich mit dem Fuß von der Wand abstieß und auf sie zukam. „Du bist mir in der U-Bahn aufgefallen.“ Seine Stimme war angenehm tief, hatte aber einen bedrohlichen Unterton. Doch Jade spürte keine Furcht. Im Gegenteil.

„Gabriel“, sagte sie und ihr Gegenüber machte überrascht einen Schritt zurück. Sein Ton war scharf als er zischte: „Mein Name ist Sylar!“

Als letzten aus dem Weg räumen. Er wird nützlich sein und dir bei seiner Jagd nach Fähigkeiten einiges an Arbeit abnehmen.

„Und hast du meine Fähigkeit schon erkannt?“ fragte Jade und ging auf die Haustür zu. Sie hatte den Spieß umgedreht und genoss es, dass Sylar zumindest für einen Augenblick unsicher geworden war.

„Du kannst dir Energie zu Nutze machen“, antwortete er nur. Jade wandte sich ihm im Gehen zu: „Wie machst du das?“ „Ich kann sehen wie du tickst.“ Er sah ihr in die Augen und Jade bekam wirklich das Gefühl als könnte er in ihr Innerstes blicken. Sie musste den Blick senken und war froh, als sie plötzlich auf der hektischen Hauptstraße standen.

Die vielen Menschen um sie herum bedeuteten auch, dass sich ihre Wege nun trennen würden. „Wir sehen uns“, sagte Jade. „Ich denke auch“, meinte Sylar und verschwand in der Menge.

***

„Ich bin sofort bei Ihnen!“ Mohinder sprang aufgeregt von seinem Stuhl auf und verlange die Rechnung. „Das war wieder Mr. Taylor. Er will sich jetzt mit mir treffen“, erklärte er Charlie. „Was immer er zu tun hatte, ging schnell“, bemerkte diese. „Willst du mitkommen?“ „Ja, klar.“ Charlie schob ihren Stuhl zurück und die beiden machten sich auf den Weg.

Eine halbe Stunde später klingelten sie bei Mr. Taylor. Er öffnete, bot ihnen Tee an und sie redeten eine Weile ohne auf seine Fähigkeiten zu sprechen zu kommen. Charlie kannte das. Als sie bei Chandra Suresh gesessen hatte, hatte sie auch eine Weile gebraucht bis sie sich wirklich öffnen konnte. Während sie mit halbem Ohr zuhörte, sah sie sich um. Die Wohnung passte einfach nicht zu dem Mann, der ihr gegenüber saß. Ihre Intuition sagte ihr, dass etwas nicht stimmte, sie konnte nur nicht benennen was das war.

„Soll ich Ihnen jetzt meine Fähigkeiten zeigen?“ fragte Zane Taylor. Mohinder nickte und der Mann erhob sich um ein Glas auf den mit Folie ausgelegten Boden zu stellen. Charlie beobachtete fasziniert, wie sich das Glas verflüssigte. Mit einem Mal war Mohinder in seinem Element. Er begann Taylor von der Arbeit seines Vaters zu erzählen und davon, dass er diese gerne fortsetzen würde um ein Heilmittel für den Virus zu finden, der Leute wie Charlie und Taylor befallen konnte.

„Könnte ich eine Speichelprobe von Ihnen haben?“

In Taylors Blick änderte sich etwas. Er wirkte, als würde er über etwas nachdenken. Dann lächelte er und fragte: „Wollen Sie noch einen Tee?“ Charlie verneinte, doch Mohinder nahm dankend an.

„Er ist komisch“, flüsterte Charlie. „Er ist nur unsicher“, gab Mohinder leise zurück. „Wenn du meinst“, sagte Charlie wenig überzeugt.

Sie schwiegen als Zane Taylor mit dem Tee zurückkam. Mit einem merkwürdigen Lächeln reichte er Mohinder die Speichelprobe. Charlie musterte ihn. Was war es, dass sich ihr die Nackenhaare sträubten?

Nachdem Mohinder seinen Tee ausgetrunken und mit Taylor einen weiteren Termin vereinbart hatte, verabschiedeten sie sich.

„Du sahst aus, als würdest du den armen Mann jeden Augenblick fauchend anspringen“, bemerkte Mohinder als sie auf der Straße standen. „Ich weiß, aber etwas an ihm ist seltsam. Er ist mir nicht geheuer, Mohinder. Lass mich das nächste Mal mitkommen.“ „Machst du dir etwa Sorgen?“ grinste Mohinder. Charlie stieß ihm mit dem Ellenbogen in die Seite: „Ja, denn es wäre verdammt schade, wenn dein Gehirn auf Sylars Seziertisch landen würde.“

Kapitel 5

Am nächsten Tag saß Charlie nach Feierabend auf dem Fensterbrett und beobachtete, was in der Wohnung der Parkmans geschah. Matt war gerade nach Hause gekommen und hatte ein Lächeln, das voller Vorfreude war. Charlie gab es einen Stich. Er freute sich auf das Kind, er liebte seine Frau. Er wusste nicht, dass sie ihn betrog oder er wusste es und verzieh ihr. Charlie reckte sich als endlich Matts Frau ins Wohnzimmer kam. Er ging auf sie zu und reichte ihr mit einem Strahlen eine kleine Schachtel. Charlie konnte nicht sehen, was seine Frau daraus hervor holte, aber der Gesichtsausdruck von ihr war eine Mischung aus Freude und Entsetzen. „Oh Matt!“ Sie fiel ihm um den Hals und da sah Charlie den Ring mit dem glitzernden Stein. Lautlos sprang sie die Feuerleiter hinunter.

Wieder in ihrer menschlichen Gestalt fragte sich Charlie, warum es wehtat, Matt und seine Frau so zu sehen. Alles hatte vor ein paar Wochen damit angefangen, dass sie New York von oben hatte sehen wollen und über die Dächer geklettert war. Hier und da hatte sie in die Fenster geguckt und als es Morgen geworden war, hatte sie Matt gesehen, wie er verschlafen in der Küche stand, sich einen Kaffee machte, vor sich hinsummte und sie schließlich bemerkte und mit ihr sprach. Er hatte nicht viel gesagt, aber die Art wie er die wenigen Dinge sagte, hatten ihr ein Gefühl von Ruhe gegeben. Sie hatte dagelegen und ihn mit den Augen einer Katze gesehen, aber mit dem Herzen eines Menschen. Von da an war sie beinahe jeden Morgen aufgetaucht, ihn beobachtet, auf ihn gewartet. Sie war sich zwar wie ein Eindringling vorgekommen, aber sie hatte auch nicht aufhören können. Eine zeitlang hatte sie gedacht, dass es einfach eine seltsame Besessenheit war, doch als sie mitbekommen hatte, dass Matts Frau ihn betrog, hatte sie gemerkt, dass sie etwas für ihn empfand.

Gedankenverloren ging sie an das klingelnde Handy. „Ich hab mich vorhin mit Mr. Taylor getroffen. Wir haben noch jemanden in Montana gefunden und wollen zusammen dorthin fahren.“ „Du solltest doch…“ Mohinder unterbrach sie: „Ich weiß, ich sollte auf dich warten, aber von ihm geht keine Gefahr aus. Wir haben uns wirklich gut unterhalten und er will einfach andere wie sich kennen lernen, damit er sich nicht mehr so einsam fühlt.“ „Ich komme mit nach Montana!“ Mohinder lachte: „Deswegen ruf ich an. Wir wollen heute Abend losfahren, damit wir morgen so früh wie möglich da sind. Also, pack ein paar Sachen ein und komm dann zu mir.“

***

Jade ging am nächsten Tag wieder auf ihren Beobachtungsposten und fand heraus, dass Matt Parkman kein Polizist mehr war. Er schien als eine Art Bodyguard zu arbeiten, was Jade nicht wirklich schlecht fand, denn so war es leichter an ihn heranzukommen. Als er am Abend seinen Kunden abgeliefert hatte und auf dem Weg zu seinem Auto war, folgte Jade ihm durch die Tiefgarage. Sie ließ ihn einsteigen, dann öffnete sie die Beifahrertür und setzte sich neben ihn. Matt hatte gerade den Zündschlüssel umgedreht und verharrte dann mitten in der Bewegung. „Danke“, sagte Jade. Ihre Hände glühten kurz, dann erstarb der Motor. Matt sah auf ihre Hände. „Ich bin Jade und ich will wissen, wie du Gedanken liest“, dachte Jade und Matt sah sie nun völlig verwirrt an. „Du weißt…“ „Halten wir uns nicht damit auf. Ja, ich weiß, dass du Gedanken lesen kannst und ja, ich habe auch eine Fähigkeit, wie du gesehen hast.“ Jade drehte ihm den Rücken zu und zog ihren Kragen etwas zur Seite, so dass er die Narbe sehen konnte. „Sie haben dich auch entführt?“ Jade nickte und merkte zufrieden, dass sie Matts Vertrauen gewonnen hatte, also ging sie weiter: „Tut mir leid, dass ich dich so überfalle, aber ich wollte unbedingt mit dir sprechen.“ „Du möchtest wissen, wie es funktioniert?“ „Ja.“ „Das kann ich dir nicht sagen, es passiert einfach.“ „Du kannst es nicht kontrollieren?“ Jade versuchte die Enttäuschung in ihrer Stimme zu unterdrücken. „Ich kann es schon lenken, aber ich kann dir nicht sagen wie. Warum ist dir das so wichtig?“ Doch Jade antwortete ihm nicht. Sie stieg aus und ging um das Auto herum. Als ihre Hand über die Motorhaube strich, startete der Motor erneut, dann wandte Jade sich ab. „Hey warte!“ rief Matt ihr hinterher, doch sie riss nur die Tür zum Notausgang auf und rannte die Treppe hinunter.

Gedanken waren nichts anderes als Energie, elektrische Impulse im Gehirn und sie wollte wissen, wie sie sich dies zu Nutze machen konnte! Doch wenn Matt es ihr nicht erklären konnte, brauchte sie jemanden, der ihr sagen würde, wie es funktionierte. Sie brauchte Sylar und sie war sich sicher, dass er sich auf den Deal einlassen würde, denn sie würden beide etwas davon haben.

Kapitel 6

„Ich wollte schon immer mal nach Montana“, ächzte Charlie. Die Autofahrt ging ihr jetzt schon auf die Nerven und wenn sie daran dachte, noch einige Stunden länger mit diesem Zane in diese kleine Kiste gesperrt zu sein, bekam sie Kopfschmerzen. Er war ganz begeistert, bedankte sich immer wieder, dass Mohinder ihn mitnahm und malte aus, was sie alles zusammen erleben und wen sie finden konnten.

Charlie kam sich vor, als wäre sie gar nicht da, schaltete irgendwann ihren IPod an und beschränkte sich darauf, Zane zu beobachten.

Er war eine unauffällige Erscheinung, ruhig, freundlich, etwas seltsam, aber nicht so seltsam, als dass man ihm aus dem Weg gehen würde. Und doch… Etwas stimmte ganz und gar nicht und mit jedem Augenblick, den sie in Zane Taylors Nähe verbrachte, nahm dieses Gefühl in Charlie zu.

Nach vier weiteren Stunden hatten sie den Ort erreicht. Mohinder parkte vor einer Garage. Sie stiegen aus und noch ehe sie die Werkstatt, als welche sich die Garage entpuppte, betreten hatte, sah die Frau ihnen entgegen. „Peaches and Cream? Schöner Song.“ Mohinder und Zane sahen sie an als wäre sie irre, doch Charlie sah auf ihren noch laufenden IPod. „Sie haben ein gutes Gehör.“ Die Frau lächelte und Mohinder nahm dies zum Anlass sich vorzustellen.

„Ich weiß, wer Sie sind“, sagte die Frau. „Ich hab ihre Nachrichten auf meinem AB gehört, aber es hat einen Grund, dass ich Sie nicht zurückgerufen habe. Bitte gehen Sie.“

Charlie wollte etwas sagen, doch da kam Zane ihr zuvor: „Ich weiß, wie Sie sich fühlen, allein und unverstanden, als wären Sie der einzige Mensch mit solchen Fähigkeiten, aber…“ Er sah zu Mohinder, welcher auffordernd nickte, und ging hinüber zu einer Werkbank, wo er Werkzeug aus einem Glas kippt, dann einen Schraubenschlüssel hineinsteckte und ihn verflüssigte.

Zane sah dabei so stolz aus, als würde er einen Keks dafür erwarten und Mohinder guckte so stolz, als wolle er Zane diesen Keks am liebsten geben.

Charlie hätte kotzen können, aber sie lächelte nur und hörte wieder nur mit halbem Ohr zu, was sie mitbekam, war, dass die Frau – Dale – anfangs fürchterliche Kopfschmerzen hatte, bis es ihr endlich gelungen war, ihre Kraft zu beherrschen.

Zane schien gebannt an ihren Lippen zu hängen und auch Mohinder sagte irgendwann: „Das tut mir leid, es muss eine schreckliche Last sein.“

“Last?“ Dale lachte. „Nein, es ist das Beste, was mir je passiert ist! Ich kann den Regen hören, lange bevor ich die Wolken nahen sehe, ich höre, wenn sich jemand nähert, ich kann sogar die kleinste Veränderung in dem Herzschlag von jemandem hören – wie ihrem!“ Sie wandte sich an Zane. Charlie sah, dass er sich unwohl fühlte, beinahe ertappt. „Ihr Herz rast“, sagte Dale und sah ihm in die Augen. „Macht Sie etwas nervös?“ Und Zane war nervös, das war eindeutig. Charlie musterte ihn, wie er tief Luft holte und dann dieses Lächeln aufsetzte, das kein echtes war. „Ich bin nur aufgeregt, jemanden zu treffen, der so ist wie ich.“ Dale kniff die Augen zusammen, doch wandte sich dann an Mohinder: „Kommen Sie morgen wieder. Heute habe ich zutun.“

Charlie schwieg auf dem Weg zum Motel. Sie standen in der Lobby und Mohinder wollte drei Zimmer bezahlen, doch Charlie beugte sich zu ihm und flüsterte: „Ich schlaf bei dir.“ Mohinder legte fragend den Kopf schief, doch Charlie machte eine Geste, dass er unauffällig sein solle und ging zum Auto um ihre Sachen zu holen. Anscheinend hatte Zane dieselbe Idee gehabt, dann er holte gerade seine Tasche aus dem Kofferraum, als Charlie ankam.

„Ich hab dich noch gar nicht gefragt, ob du auch Biologie studiert hast?“ sprach er sie an. Charlie zog ihre Tasche von der Rückbank. „Nein, ich bin nur eine gute Freundin.“ Sie sah wie sein Blick an ihr hinab glitt. „Hast du auch…“ „Fähigkeiten?“ unterbrach Charlie ihn und log dann: „Nein, die habe ich nicht. Leider. Aber ich bewundere deine.“ Zane lächelte und Charlie war froh, als Mohinder erschien und Zane seinen Schlüssel gab.

„Danke, dass Sie mir heute geholfen haben“, sagte Mohinder.

Charlie stöhnte innerlich auf. Geholfen? Sie brauchten diesen Zane nicht, Charlie hätte Dale genauso gut überzeugen können.

„Mit ihrer Hilfe kann ich all die anderen finden, sie erforschen, ein Mittel gegen den Virus finden und die Fähigkeiten eliminieren, wenn es sein muss.“

Zanes Gesicht verfinsterte sich: „Eliminieren? Warum sollte das jemand wollen?“

“Nun, nicht alle Fähigkeiten sind so harmlos, wie ihre, einige sind gefährlich, sogar tödlich. Mein Vater ….“ Mohinder brach ab und Charlie sah, dass Zanes Gesicht nicht fragend, nicht überrascht war, auch wenn er nachhakte, was mit Mohinders Vater geschehen war.

Charlie mischte sich ein: „Er wurde ermordet. Von einem Mann namens …“ Sie sah Zane in die Augen als sie den Namen aussprach: „Sylar.“ Zane legte den Kopf schief und sah sie an bevor er mit zurückhaltender Neugier nachfragte: „Was ist mit diesem … Sylar… geschehen?“ Nun ergriff Mohinder wieder das Wort: „Ich weiß es nicht. Sie haben ihn nicht gefasst.“ Er wollte fortfahren, doch Charlie fasste ihn am Arm. „Es ist kalt hier draußen. Wir können dieses Gespräch morgen auf dem Weg zu Dale weiterführen.“ Mohinder sah sie an, doch sie sagte nur mit einem Lächeln: „Ich bin müde.“ „Ja“, sagte Zane. „Es ist spät. Wir sehen uns morgen.“

Im Motelzimmer sah Mohinder sie fragend an: „Was ist denn in dich gefahren?“ „Mohinder, du vertraust den Leuten zu schnell“, sagte sie und zog ihre Jacke aus. „Ja und? Ich hab auch dir sofort vertraut.“ Charlie setzte sich auf eines der Betten und kickte die Schuhe vom Fuß. „Das ist was anderes. Ich kannte schon deinen Vater. Dieser Zane… Etwas stimmt nicht. Dale hat es auch gemerkt!“ „Er war aufgeregt, hat sich gefreut noch andere wie ihn kennen zulernen.“ „Du hast ihm nicht gesagt, was ich kann, oder?“ Mohinder schüttelte den Kopf. „Gut. Er soll es auch nicht wissen.“ Charlie streckte sich auf dem Bett aus und als sie an die Decke sah, wusste sie, was sie tun würde, sobald Mohinder schlief.

***

Jade wusste, dass sie Sylar finden musste. Sie wusste aber auch, dass dies nicht leicht sein würde. Schon in der Akte war vermerkt, dass er sich weder in seinem Laden noch in seiner Wohnung regelmäßig aufhielt. Viel wahrscheinlicher war es also, dass er sie fand. Und Jade hatte vor, es ihm leicht zu machen.

Sie wollte nur schnell nach Hause fahren und ein paar Sachen holen, doch dass dies zur Folge haben würde, dass man ihr einen ihrer eigentlich schwersten Aufträge so leicht machen würde, damit hatte sie nicht gerechnet.

Jade schloss gerade die Tür zu ihrer Wohnung auf, als sie etwas spürte, unruhige Energie. Sie sah sich um und war augenscheinlich allein, doch die Energie war da und plötzlich schwang die Tür zu Peters Wohnung auf und sie wurde fast über den Haufen gerannt. Dann sah sie Peter und hörte ihn nach jemandem schreien, aber nur für einen Augenblick, als wäre er eine Halluzination.

Jade rannte los, die Treppe hinunter, wobei sie alle Energie aufnahm, die sie konnte. Als sie gerade den Hausflur erreicht hatte, sah sie wie die Tür aufging und sie streckte die Handflächen in die Richtung aus. Getroffen von der Energie, passierte das, was Jade erhofft hatte. Der Unsichtbare sackte zusammen und wurde plötzlich sichtbar. Sofort war Jade über ihm und packte ihn am Kragen. Sie hatte keine Ahnung wie man einen Unsichtbaren nicht aus den Augen verlor, aber festhalten erschien ihr schon einmal als nicht allzu dumm.

Langsam kam ihr Opfer wieder zu Bewusstsein. Er hustete und Jade sagte: „Hallo Claude“, und zog ihn hoch.

Mittlerweile war Peter erschienen. „Was…woher…wie konntest du ihn sehen?“ „Ich habe ihn nicht gesehen, sondern euren Streit gespürt.“ „Er hilft mir….“ Peter stockte und Jade hasste diese Situation. Peter wollte ihr vertrauen, von seinen Fähigkeiten erzählen, außerdem hatte er sie sicherlich gesehen, wusste also, dass sie ebenfalls anders war. Und sie konnte mit Peter in der Nähe einfach nicht erledigen, was sie musste…

Am liebsten hätte Jade geflucht, doch sie sagte nur: „Hilfst du mir? Du siehst aus, als würdest du auch nicht wollen, dass er abhaut.“

Peter nickte und zusammen verfrachteten sie Claude in Peters Wohnung. Jade schloss ab, zog den Schlüssel ab und steckte ihn in ihre Hosentasche. Jades Gedanken rasten und kreisten um die Frage, wie sie Peter loswerden könne. Sicherlich fielen ihr da einige Möglichkeiten an, aber alle hätten bei Peter Fragen aufgeworfen und das konnte sie nicht brauchen. Und wenn sie erst Peter aus dem Weg räumte und sich dann um Claude kümmerte, hätte sie zwei Leichen, von denen sie nicht wusste, wie sie sie entsorgen sollte.

Claude begann nun endgültig wach zu werden und er sah von Jade zu Peter, dann begann er Peter zu beschimpfen, dass dieser Schuld sei. „Sie arbeitet auch für die!“ rief er außer sich. „Sie wurde mit Noah Bennet geschickt!“

Jade runzelte die Stirn und Peter sah sie an. Er atmete tief durch, dann erklärte er: „Dieser Bennet und ein anderer Mann haben uns vorhin aufgelauert und sie haben versucht Claude zu töten.“

Jade kam nicht dazu etwas zu erwidern, denn plötzlich hatte Claude sich unsichtbar gemacht. Zum Glück würde er nicht weit kommen.

„Wir hätten ihn fesseln sollen“, meinte Jade trocken. „Er ist doch kein Gefangener!“ gab Peter entsetzt zurück.

Jade setzte sich auf den Stuhl, auf dem vorher Claude gesessen hatte und folgte Peters Blick als er zu einem für Jade beliebigem Punkt im Raum sprach.

„Wie kommt es, dass du ihn sehen kannst?“ fragte Jade.

„Ich…“ Peter hielt inne und sah wieder zu Claude, der ihm anscheinend nahe legte, ihr nicht zu vertrauen.

“Ich kann die Fähigkeiten von anderen annehmen und Claude hat mir bis jetzt dabei geholfen, sie zu kontrollieren, denn das konnte ich vorher nicht. Was kannst du?“

“Das“, sagte Jade und öffnete ihre Handflächen, worauf Claude wieder sichtbar wurde und von einem Stromschlag getroffen auf die Knie ging. Peter sah sie entsetzt an und half Claude beim Aufstehen.

Jade überlegte immer noch fieberhaft wie sie aus der Situation herauskommen sollte und entschloss sich schließlich sich erst einmal zurückzuziehen. Sie wandte sich an Peter: „Ich hoffe, du schaffst es ihn zu überreden, dir weiterhin zu helfen.“ Sie schloss die Tür auf und verließ die Wohnung, doch sie ging nicht in ihre, sondern verließ das Haus und rief ihren Mr. Smith an.

„Wer ist Bennet?“ „Er arbeitet für uns.“ „Und warum haben Sie ihn ebenfalls auf den Unsichtbaren angesetzt?“ Einen Moment war es still. „Haben wir nicht. Das muss eine andere Abteilung angeordnet haben.“ „Wie auch immer, rufen Sie ihn an. Der Unsichtbare ist hier. Ich warte.“

Kapitel 7

Mohinder war schnell eingeschlafen und Charlie verwandelte sich in eine Maus und huschte durch ein Loch in der Wand in das Nebenzimmer. Wie sie es erwartet hatte, war Zane nicht in seinem Bett. Er lief durch den Raum und sah immer wieder auf die Uhr. Schließlich verließ er das Motel und Charlie folgte ihm. Kaum war er im Freien bewegte er sich unglaublich schnell vorwärts und Charlie hätte ihn verloren, wenn sie nicht erneut ihre Gestalt geändert hätte. Sie verwandelte sich in einen Vogel und sah auf ihn hinab.

Kurz darauf hatten sie ihr Ziel erreicht. Die Werkstatt. Charlie verwandelte sich erneut um eine bessere Sicht zu haben und huschte zwischen Zanes Füßen hindurch ins Innere.

Dale bastelte an einem Auto und hörte dabei laute Musik aus ihrem IPod. Plötzlich hob Dale den Kopf und wandte sich um. Sie zog die Ohrstöpsel heraus. „Seltsam, ich habe Ihre Schritte nicht gehört“, sagte sie und Zane trat aus dem Schatten. Sein Ausdruck war ein ganz anderer, als Charlie ihn bisher gesehen hatte. Sie hatte das Gefühl, als würde er jetzt endlich sein wahres Gesicht zeigen, ein bösartiges Gesicht.

“Das Geräusch…“ Dale berührte ihre Brust, die Stelle, wo das Herz schlug. „Was ist das?“ „Mord“, zischte Zane und Charlie zuckte zusammen. Mit einer Handbewegung öffnete Zane Dales Schädel, ohne sie dabei zu berühren. Das Blut floss auf den Boden und Charlie trippelte auf ihren Mäusepfoten rückwärts. Zane – Sylar – ging neben Dale in die Hocke und sah sie einfach nur an. Dann erhob er sich mit einem zufriedenen Lächeln und verließ die Garage.

Charlie war unfähig sich zu bewegen. Sie starrte nur auf Dale und das Blut, das sich immer weiter ausbreitete. Irgendwann schaffte sie es, sich von diesem Anblick los zu reißen.

Wieder im Motel und in der Gestalt eines Menschen weckte sie Mohinder. „Hm…was ist passiert?“ brummte er. Charlie legte den Finger auf die Lippen und bedeutete ihm leise zu sein. „Zane ist Sylar“, flüsterte sie. Nun war Mohinder hellwach. Charlie war sich nicht sicher, ob Sylar sie im Nebenzimmer würde hören können, also sprach sie so leise es ging direkt in Mohinders Ohr. Mohinder war mit jedem Wort blasser geworden und als Charlie geendet hatte, umarmte er sie, denn Charlie hatte zu zittern begonnen. Er strich ihr über die Haare und Charlie vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter. „Wir müssen hier weg“, flüsterte Mohinder. Charlie löste sich von ihm und schüttelte den Kopf. „Er darf keinen Verdacht schöpfen. Du hast gesagt, er ist Patient Null, du brauchst seine DNA und du darfst ihn nicht einfach so davonkommen lassen. Er hat deinen Vater getötet!“ „Gut, dann…“ „Machen wir alles wie geplant. Wir fahren morgen zu Dale und dann wieder nach Hause und du überlegst dir, wie du ihn überlistest.“

Sie bekamen in dieser Nacht kaum noch Schlaf, sondern lagen nebeneinander und hingen ihren Gedanken nach. Charlie versuchte zu verdauen, was sie gesehen hatte und Mohinder dachte darüber nach, wie er den Spieß umdrehen und den Jäger zum Gejagten machen konnte.

Als sie am nächsten Morgen auf Sylar trafen, fiel ihnen sofort auf, was sie ohne das Wissen, dass er Dale getötet hatte, nicht bemerkt hätten. Er zuckte bei jedem plötzlichen lauten Geräusch zusammen. Charlie schlug extra laut die Autotür zu und drehte dann das Radio auf. „Geht es dir nicht gut?“ fragte Mohinder. „Kopfschmerzen“, antwortete Sylar zerknirscht.

Sie hatten die Werkstatt von Dale erreicht und Mohinder stieg aus. Charlie merkte, wie er einen Moment stehen blieb und sich sammelte, dann ging er hinein. Charlie wusste genau in welchem Augenblick er Dale gesehen hatte, denn Mohinder beugte sich nach vorne und übergab sich.

„Mohinder, was ist passiert?“ rief Sylar aus und Charlie hätte ich, am liebsten auf der Stelle gesagt, dass er sein scheinheiliges Spiel lassen solle. Sie beobachtete Sylar wie er ebenfalls ausstieg und in die Werkstatt ging. Als er Dale sah war sein Gesichtsaudruck zufrieden und auch Mohinder hatte dies gesehen. Er und Charlie tauschten einen Blick aus, doch rissen sich dann zusammen.

“Wir müssen die Polizei rufen“, sagte Mohinder. „Und dann? Wie wollen wir erklären, warum wir hier waren?“ gab Sylar zurück. Charlie, die mittlerweile auch ausgestiegen war und so getan hatte, als hätte sie sich ebenfalls Dale angesehen, was sie nicht gemacht hatte, da sie den Anblick kein zweites Mal ertragen hätte, gab ihm Recht. „Lass uns nach Hause fahren, Mohinder“, sagte sie. „Aber er hat sie getötet. Sylar!“ Mohinder spielte seine Rolle gut und Charlie stieg darauf ein: „Und? Soll er uns auch erwischen? Zane hat Recht, lass uns fahren!“ Mohinder tat als würde er nachgeben und stieg hinters Steuer.

Charlie saß auf der Rückbank und hatte die nächsten Stunden nur einen Gedanken: Hoffentlich flogen sie nicht auf! Aber Mohinder unterhielt sich normal mit „Zane“ und Sylar war auch wieder ganz in seiner Rolle nur unterbrochen von kurzem Zusammenzucken, wenn ihn ein Geräusch störte.

Endlich waren sie wieder in New York und setzten Sylar an Zanes Wohnung ab. Mohinder verabredete sich mit ihm für den nächsten Tag und Charlie atmete hörbar auf, als sie davonfuhren. „Und was machen wir jetzt?“ fragte sie Mohinder als sie in dessen Wohnung waren. „Ich hab da schon einen Plan“, antwortete er und zog Charlie auf die Couch um sie einzuweihen.

Kapitel 8

Während Jade wartete, zog ein Gewitter heran. Der Himmel über ihr war blau und die Sonne schien auf sie herunter, aber sie wusste, dass es bald anfangen würde zu blitzen und zu donnern. Sie lehnte sich gegen die Hauswand und beobachtete das Auto, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkte. Zwei Männer stiegen aus. Einer mit einer Hornbrille, der sie ernst musterte, der andere folgte ihm. Jade hatte das merkwürdige Gefühl die beiden zu kennen. Als wäre der Dunkelhäutige der letzte, den sie gesehen hatte, bevor …. Jade konnte den Gedanken nicht greifen.

„Jade O`Conner?“ fragte der Brillenträger. Sie nickte und er reichte ihr die Hand. „Noah Bennet.“ Sie ignorierte seine Hand und musterte nur den anderen, der sich jedoch nicht vorstellte, also wandte Jade sich schließlich Bennet zu: „Ihr Unsichtbarer ist bei Peter Petrelli.“ Jade nannte die Etage und die Wohnungsnummer. „Wenn er nicht mehr in der Wohnung ist, muss er irgendwo im Haus sein, ich hätte es gemerkt, wenn er an mir vorbeigekommen wäre. Eine Hintertür gibt es nicht und fliegen kann er ja bekanntlich nicht.“

„Sie kommen nicht mit?“ Jade schüttelte den Kopf. „Peter soll mir vertrauen, also habe ich mit der Sache nichts zu tun.“ Sie öffnete die Tür und ließ die beiden ins Haus, dann wandte Jade sich ab und überquerte die Straße. Als sie an dem Auto von Bennet vorbeikam, öffnete sie die Handflächen. Es knisterte in ihren Fingerspitzen und knackte kurz unter der Motorhaube. Die beiden würden wohl ein neues Auto brauchen.

Jade grinste, als sie die Hände in den Jackentaschen vergrub und schnellen Schrittes davonging. Sie hatte keine Ahnung, warum sie das getan hatte, ihr war einfach danach gewesen und es hatte sich gut angefühlt.

Als Jade einige Stunden später wieder zu ihrer Wohnung zurückging, wartete Peter auf sie. Er saß im Hausflur auf dem Boden uns sah zu ihr auf. Da er keine Anstalten machte, aufzustehen, setzte Jade sich neben ihn.

Das Gewitter grollte über ihnen und sie musste sich konzentrieren um ihre Kraft unter Kontrolle zu behalten. „Wie funktioniert das, wie nimmst du die Kräfte anderer an? Müssen sie dafür aktiv sein?“ Peter zuckte nur mit den Schultern, dann sah er Jade an. „Woher weißt du das?“ „Du hast mir vorhin davon erzählt…“ Peter rieb sich die Schläfen. „Ich erinnere mich nicht. Ich war gerade noch auf dem Dach mit….“ Er räusperte sich. „Mit Claude, der sich unsichtbar machen kann?“ Peter nickte und wirkte nur noch verwirrter. „Und einen Moment später sitze ich hier und kann mich an nicht daran erinnern, wie ich hierher gekommen bin.“

Jade starrte auf ihre Schuhe. Sie fragte sich, warum man Peter hier draußen zurückgelassen hatte und nicht in seiner Wohnung, was um einiges unauffälliger gewesen wäre. Hatte sie ihn finden sollen um zu erfahren, dass Bennet oder sein Gehilfe anscheinend das Gedächtnis löschen konnten?

“Komm jetzt“, sagte Jade energisch, stand auf und zog Peter mit sich. Sie schloss ihre Tür auf und gab ihm einen sanften Schubs Richtung Couch. „Ich mach dir einen Tee.“

Sie ging in die Küche und setzte Wasser auf. Als sie mit zwei Tassen Tee wieder im Wohnzimmer erschien, richtete Peter sofort eine Frage an sie: „Was hast du mir erzählt, vorhin, als ich von meinen Fähigkeiten gesprochen hab?“

In dem Augenblick erhellte ein Blitz die heran brechende Dunkelheit vor dem Fenster und Peter sah erschrocken auf seine Hände, in denen ein leichtes Glühen zu sehen war. „Mach sie zu einer Faust!“ rief Jade schnell und Peter tat es.

„Du hast eine neue Fähigkeit“, sagte Jade. Peter sah sie verständnislos an. „Meine Fähigkeit.“ Sie öffnete ihre Handflächen und ließ einen blau glühenden Feuerball darauf tanzen. „Wie hast du gelernt, deine Kräfte so zu kontrollieren?“ Jade zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht, es ist, als könnte ich sie schon immer beherrschen. Aber es ist anstrengend, du musst dich konzentrieren, sonst … Öffne die Faust.“ Peter zuckte zusammen als die Lampe über ihm zersprang und die Splitter auf ihn und Jade hinabrieselten. „So was in der Art passiert dann. Du kannst aber auch Menschen verletzen…“ „Hast du schon mal jemanden verletzt?“ Jade nickte und ging dann in die Küche um einen Besen zu holen. Plötzlich stand Peter hinter ihr. „Claude hatte mir helfen wollen, meine Fähigkeiten zu kontrollieren, weil … ich sonst New York zerstöre und wer weiß, was und wen noch.“ Jade runzelte die Stirn und Peter begann zu erzählen.



„Sich unauffällig verhalten ist dein ganzer Plan?“ rief Charlie aus und schüttelte den Kopf. „Du unterschlägst den zweiten Teil“, gab Mohinder nur zurück. Charlie seufzte, doch Mohinder fasste sie an der Schulter, als sie aufstehen wollte. „Vertrau mir, das Mittel wird wirken, dann kann er seine Fähigkeiten nicht benutzen. Und außerdem bist du doch da.“ Er grinste und Charlie seufzte erneut: „Sei froh, dass du ne Freundin mit Superkräften hast!“

In dem Moment klopfte es. Mohinder nickte Charlie zu und sie verwandelte sich in eine Maus und huschte unter den Schreibtisch. Aus dieser Perspektive konnte sie nicht wirklich etwas sehen, aber sie folgte dem Gespräch. Mohinder tat immer noch als wäre alles in Ordnung, ließ Sylar begeistert davon reden, wie ihre Zusammenarbeit aussehen würde und bot ihm schließlich einen Tee an. Dann fiel die Tasse auf den Boden und zerbrach. Charlie huschte aus ihrem Versteck, verwandelte sich zurück und half Mohinder Sylar hochzuheben und auf den Stuhl zu hieven. Dort fesselten sie seine Hände und Füße und Mohinder setzte den Tropf an, der Sylars Fähigkeiten blockieren sollte.

Etwa eine Stunde später erwachte Sylar. Als er sich bewusst wurde, dass er gefesselt war, sprühte Hass aus seinen Augen. „Was soll das?“ Mohinder nahm die Waffe vom Schreibtisch und ging auf Sylar zu. „Hast du wirklich gedacht, dass wir so dumm sind und dir weiterhin glauben, dass du Zane Taylor bist. Der wahre Zane Taylor wurde am selben Tag ermordet, wie wir dich trafen.“

Sylars Blick wanderte von Mohinder zu Charlie.

„Du hast meinen Vater getötet.“ Sylar widersprach nicht, sagte nur verächtlich: „Du bist genau wie dein Vater!“ „Du weißt nichts über meinen Vater!“ brüllte Mohinder und richtete die Pistole auf Sylars Stirn. Dieser lächelte nur überlegen. „Ich weiß alles. Er hat mir Dinge erzählt, die er dir nie sagen konnte. Ich weiß von deiner Schwester, Shanti. Er dachte, du seiest zu zerbrechlich, um die Wahrheit zu erfahren.“ Sylar lachte und drückte seine Stirn gegen den Lauf der Waffe, doch Mohinder ließ sie sinken. „Du hast Recht, mein Vater wollte Antworten.“

Er holte eine lange Spritze und stach sie in Sylars Rückenmark, kurzer unter seinem Nacken.

Charlie sah, wie Mohinder mit Genugtuung zur Kenntnis nahm, dass Sylar schreckliche Schmerzen hatte und Charlie war entsetzt, so einen Blick hatte sie noch nie in Mohinders Augen gesehen.

„Mohinder“, sagte sie leise und machte eine Handbewegung, dass es nun gut sei. „Hast du Mitleid?“ fragte Sylar zynisch, doch Charlie erwiderte nichts, ging nur mit Mohinder zum Computer, wo er sich daran machte, Sylars DNA zu analysieren.

Mohinder schwieg die ganze Zeit und Charlie lief auf und ab, nur gestoppt von Bemerkungen, die Sylar an sie richtete. „Deine Fähigkeit, könnte sie mich interessieren?“ Sie blieb stehen und beugte sich zu ihm. Bevor er mit der Wimper zucken konnte, hörte Sylar ein Brüllen an seinem Ohr und spürte einen heißen Atem in seinem Gesicht. Er wich so gut es ging zurück und sah vor sich einen schwarzen Panther, der die Zähne gefletscht hatte und bedrohlich den Körper gespannt hatte. Noch ehe Sylar Luft holen konnte, war der Moment vorbei und Charlie stand wieder vor ihm. „Nett“, sagte Sylar. Charlie wandte sich lächelnd ab: „Niemals wird dir diese oder noch eine andere Fähigkeit gehören.“

Nach einigen Stunden war Mohinder soweit fertig, auch wenn noch einige Nächte des Forschens und Analysierens vor ihm liegen würden. Er erhob sich, nahm erneut die Waffe, richtete sie auf Sylar und drückte diesmal ab. Charlie und Mohinder erstarrten, als die Kugel in der Luft stehen blieb. Sylars Stimme wurde scharf, er hatte seine Überlegenheit zurück. „Mohinder, ich habe niemals um mein Leben gebeten, ich habe dir nur deines dargeboten.“ Die Fesseln lösten sich und Sylar stand auf. Charlie wollte sich verwandeln, doch da wurde sie gegen die Wand geschleudert und sank bewusstlos auf den Boden.

Kapitel 9

Plötzlich sprang Peter auf. „Ich muss zu Mohinder!“ „Zu wem?“ „Mohinder Suresh. Ich hab dir das Buch von seinem Vater gegeben…“ Jade runzelte die Stirn. „Denkst du, er kann dir helfen?“ Peter nickte. „Er arbeitet an einem Serum, etwas um die Fähigkeiten zu unterdrücken, vielleicht kann er mir auch helfen, sie zu kontrollieren.“ Jade biss die Zähne wütend aufeinander. Als sie von Professor Sureshs Tod gehört hatte, war sie eigentlich erleichtert gewesen. Seine Forschung war gefährlich. Sicherlich gab es einige, die ihre Kräfte loswerden wollten, aber wenn es erstmal so ein Serum gab, wurde es nicht nur bei diesen verwendet werden. Man würde auch Menschen wie Jade die Fähigkeiten nehmen. Sie setzte ein Lächeln auf. „Ich begleite dich, wenn es dir recht ist.“ Peter nickte und stand auf. Als er Jade den Rücken zuwandte, verschwand ihr Lächeln. Sie würde sich diesen Mohinder ansehen und wenn es sein musste, würde sie ihn loswerden.

Als Peter an die Tür klopfte, merkte er, dass sie nicht verschlossen war. Er sah zu Jade und trat dann in die dunkle Wohnung. Sie folgte ihm. Die Wohnung, eher ein Büro, war verwüstet. Peter rief nach Mohinder und Jade sah sich um. Am Boden an einer der Wände lag eine Gestalt. Jade spürte, dass sie noch lebte und sie konnte noch andere Energie in dem Raum spüren. Sie sah nach oben und zog Peter am Ellenbogen zu sich. Er starrte entsetzt hinauf und flüsterte Mohinders Namen. Jade wollte etwas sagen, als eine Stimme hinter ihr ertönte: „So schnell sehen wir uns also wieder.“ Sie war so überrascht, dass sie zu spät reagierte und nicht ausweichen konnte, als sie in die Luft gehoben und an die Wand geschleudert wurde. Sie landete neben der Bewusstlosen am Boden, wollte aufstehen, doch prallte gegen eine unsichtbare Mauer und schlug dann mit dem Kopf auf, so dass sie die Welt um sich herum nur noch dumpf wahrnahm.

Doch in dem Moment als Sylar sie angegriffen hatte, hatte er die Kontrolle über Mohinder verloren, welcher ächzend auf dem Teppich lag und sich von Peter aufhelfen ließ. Jade sah, wie Sylar sich Peter mit den Worten „Ich erinnere mich an dich“ näherte. Mit einem unmerklichen Wink sackte Mohinder zurück und Peter wurde angehoben, als würde er die Hand um seine Kehle legen, dann machte Sylar eine Bewegung mit seinem Zeigefinger und hinterließ eine blutige Spur auf Peters Stirn. Als Jade seinen Schrei hörte, erwachte sie endlich aus ihrer Erstarrung und sprang auf.

Das Gewitter vibrierte noch in ihr. Sie öffnete beide Handflächen und traf Sylar im Rücken. Sie setzte nur minimal ihre Kraft ein, doch es bewirkte zumindest, dass er von Peter abließ, welcher sich sofort unsichtbar machte. Sylar wirbelte herum, beide setzten gleichzeitig ihre Fähigkeiten ein und krachten gegen die gegenüberliegenden Wände. Jade rutschte zu Boden, dann ging alles ganz schnell: Peter machte sich sichtbar, zog damit Sylars Aufmerksamkeit auf sich, in dem Moment erhob sich Mohinder, packte eine große Tafel auf Rollen, auf der eine Landkarte hing. Doch ehe Sylar getroffen zusammensackte und bewusstlos liegen blieb, hatte er die Glasscherben, die er kurz vorher in die Luft gehoben hatte, wie ein Geschoss auf Peter gerichtet, worauf dieser schwer verletzt ebenfalls auf die Knie ging.

Jade bekam dies jedoch nur noch aus dem Augenwinkel mit, denn das Mädchen neben ihr erwachte und war sofort hellwach, als sie Jade sah. Beide sprangen gleichzeitig auf, ihre Muskeln waren gespannt. Charlie sprungbereit, Jade bereit sie mit einem Energieball niederzustrecken.

„DU?!“ riefen sie gleichzeitig aus.

„Charlie, lass sie, sie hat uns geholfen!“ sagte Mohinder, der neben Peter auf dem Boden kniete.

Charlie fauchte: „Das ist Jade!“

“Ich habe sie erkannt“, meinte Mohinder ruhig und ging beschwichtigend auf die beiden Frauen zu.

Jade musterte ihn kurz, behielt dabei jedoch Charlie im Auge, welche sich an Mohinder gewandt hatte: „Wir können ihr nicht trauen.“

“Sie hat uns vor Sylar gerettet“, gab Mohinder zu bedenken. „Sie hätte ihn töten können, wenn sie gewollt hätte. Sie spielt mit uns!“

Jade legte den Kopf schief. Charlie schien sie zu durchschauen, schien mehr über Jade zu wissen, als diese über Charlie wusste. Jade ließ die geballten Fäuste sinken, entspannte sich und wandte sich schließlich einfach ab. Sie ging neben Peter in die Hocke und strich ihm das blutige Haar aus dem Gesicht.

Charlie beobachtete diese Szene verwundert. Zeigte Jade Gefühle, sorgte sie sich etwa oder war das wieder nur ein Teil ihres Spiels, ihrer Maske?

„Er kann sich heilen. Bringt ihn weg von ihr.“

Mohinder nickte Charlie zu. „Komm, sie hat Recht.“

Jade hörte das leise Knurren, das aus Charlies Kehle kam, bevor diese fragte: „Was ist mit Sylar?“

“Um den kümmere ich mich.“ Jade sah, dass Charlie dies überhaupt nicht gefiel. Ihr Blick war misstrauisch, doch schließlich wirkte sie, als würde sie nachgeben. Jade achtete nicht auf das, was ihr Instinkt ihr sagte, sie war in Gedanken bereits bei Sylar und wandte Charlie den Rücken zu.

Ein Fehler.

Nur einen Augenblick später spürte sie wie sie von einem Gewicht zu Boden gedrückt wurde. Jade wollte sich umdrehen, sich befreien, doch sie konnte nur den Kopf bewegen, bevor eine Pranke sie an der Schläfe traf. Jade blinzelte, als Blut ihr ins Auge tropfte. Sie konnte sich nicht konzentrieren, konnte keine Energie durch ihren Körper schicken. Es war als würde diese Charlie sie blockieren oder vielleicht verwirrte sie die Anwesenheit der anderen nur so. Jade versuchte sich auf die Hände zu stützen um aufzustehen. Sie hörte Mohinder Charlies Namen rufen und dann traf sie ein erneuter Schlag, diesmal im Nacken und ihr schwanden die Sinne.

Kapitel 10

Als Jade erwachte, lag sie mit dem Gesicht auf dem Boden. Ihre Schläfen pochten unangenehm und in ihren Ohren rauschte das Blut. Sie stützte sich auf die Hände und drückte sich hoch. „Auch schon wach?“ Jade erkannte Sylars Stimme und drehte sich langsam zu ihm um. „Mein Gehirn ist noch da?“ Er lachte und kam auf sie zu. „Ich hab irgendwie das Gefühl, dass du zu interessant bist, um dich bereits jetzt deiner Kräfte zu berauben und außerdem … Irre ich mich, oder hast du dich vorhin zurückgehalten?“ Jade musste grinsen: „Ich hätte dich töten können.“ „Das reicht als Antwort“, meinte Sylar.

Sie verließen das Gebäude und als sie auf der Straße standen, sagte Jade: „Möchtest du Gedanken lesen können?“ Sylar blieb stehen und sah sie an. „Es gibt da einen Polizisten, er hat diese Fähigkeit.“ „Warum erzählst du mir das?“ „Du kannst sehen, wie es funktioniert, ich möchte, dass du es mir erklärst.“ „Warum?“ „Ich kann Energie beherrschen. Gedanken sind nichts anderes als Energie.“ „Und höflich fragen, hat dich bei ihm nicht weitergebracht?“

Jade zog den Reißverschluss ihrer Jacke zu. „Möchtest du seine Fähigkeit haben, dann hilf mir, wenn nicht, wird bei unserem nächsten Zusammentreffen nur einer von uns am Ende noch aufstehen können.“

Sylars Lachen war rau.

„Gut“, meinte Jade. Sie nannte ihm eine U-Bahnstation, an der sie sich am nächsten Tag treffen würden, dann wandte sie sich ab und ging.

***

Mohinder und Charlie hatten Peter in Charlies Wohnung gebracht und dort auf die Couch gelegt. „Er hat sich noch nicht geheilt! Verdammt, Mohinder, er ist tot.“ Mohinder schüttelte ruhig den Kopf. „Es blockiert ihn nur etwas.“ Er griff an Peters Hinterkopf und zog eine blutige Glasscherbe heraus. Charlie verzog das Gesicht bei dem Geräusch und schlug dann die Hand vor den Mund, als Peters trübe Augen plötzlich wieder Leben bekamen und er sich hustend aufrichtete. „Wo … Jade?!“

Charlie betrachtete fasziniert wie die Wunden verschwanden und Peter wieder Farbe im Gesicht bekam.

“Woher kennst du sie?“ fragte sie schließlich.

„Sie wohnt mir gegenüber. Du kennst sie auch?“

Charlie antwortete nicht und Mohinder übernahm das Gespräch, doch Charlie hörte nicht zu. Sie war ans Fenster getreten und sah hinaus. Warum hatte Jade Peter geschützt, sich um ihn gesorgt? Sie hätte ihn schon längst töten können, wenn sie im selben Haus wie er wohnte. Und was hatte sie mit Sylar zu schaffen, warum wollte sie unbedingt dort bleiben? Charlie verstand das alles nicht. Sie sah im Augenwinkel, dass Peter sich bereit machte zu gehen und sie war froh. Um nicht unhöflich zu sein, wandte sie sich ihm zu und verabschiedete sich. Er und Mohinder verabredeten sich für den nächsten Tag. Charlie würde bei dem Treffen nicht dabei sein, sie musste sich wieder auf der Arbeit blicken lassen. Seufzend ließ sie sich neben Mohinder auf die Couch fallen. „Soll ich dir helfen, dein Büro aufzuräumen?“ Er nickte. „Aber lass uns später hingehen, ich will, dass Sylar und Jade wirklich fort sind.“ „Wir hätten sie nicht einfach gehen lassen sollen“, antwortete Charlie. „Ich weiß, aber … was hätten wir tun sollen?“ „Sie töten?!“ „Charlie, du willst nicht wirklich deine Schwester töten.“ Charlie sah auf ihre Schuhe. Im Moment wusste sie nicht, was sie wollte und was nicht. Sie schwiegen, bis Mohinder fand, es wäre genug Zeit vergangen, um zurückzugehen.

Die Nacht verbrachten sie damit, die Wohnung aufzuräumen und den Laptop wieder anzuschließen, den Mohinder samt den anderen wichtigen Unterlagen noch mitgenommen hatte. Als Mohinder sich an den Schreibtisch setzte, um die Analysen an Sylars DNA weiterzuführen, legte Charlie sich aufs Bett um ihn bei der Arbeit zu beobachten. Der eigentliche Grund war, dass sie nicht alleine sein wollte. Im Moment war es ihr lieber, ihre Fragen und Gedanken, die rund um Jade kreisten, zu verdrängen. Kurz darauf war Charlie eingeschlafen.

Kapitel 11

Als Jade in ihre Wohnung zurückkehrte, lehnte Peter in Flur an der Wand und wartete auf sie. Sie schloss auf ohne ihn anzusehen. „Ich werd aus dir nicht schlau“, sagte er. Jade stieß die Tür auf und lächelte. „Das soll heißen?“ Sie wandte sich Peter zu. „Ich weiß es nicht.“ Jade legte die Hand auf den Lichtschalter, doch im selben Augenblick als die Lampe anging, zersprang die Glühbirne und Peters ausgestreckte Hand glühte. „Hey, das war meine letzte Lampe!“ beschwerte sich Jade, doch irgendwie war sie amüsiert. Peter trat hinter Jade in die dunkle Wohnung und schloss die Tür. Jade fragte sich, was Charlie erzählt hatte, doch Peter machte keine Anstalten ein Gespräch zu beginnen. „Hat Charlie dir gesagt, dass wir uns in unseren Träumen begegnen?“ Peter schüttelte den Kopf. „Sie hat nicht wirklich mit mir gesprochen. Mohinder sagte nur, dass ihr euch kennen würdet und sie dir nicht traut.“ Jade lachte leise: „Ich würde mir auch nicht trauen.“ Jade berührte mit den Fingerspitzen Peters Hand und spürte das angenehme Kribbeln als sie die Energie stahl, die Peter kurz zuvor aufgenommen hatte. Sie zog die Hand zurück und schloss sie zu einer Faust. „Geh, Peter, bevor du herausfindest, was du von mir zu halten hast.“ Ihre Stimme war sanft, doch die Geste zur Tür war unmissverständlich und Peter ging. Bevor er in den Hausflur trat, wandte er sich noch einmal zu Jade, doch er sagte nichts, sah sie nur kurz an, mit einem Ausdruck in den Augen, den sie nicht deuten konnte, dann war er fort.

Jades Hand zitterte. Sie verspürte den Drang, Peter hinterher zugehen und ihn zu töten, doch gleichzeitig konnte sie diesem Gefühl nicht nachgeben. Mit einem wütenden Geräusch schleuderte Jade einen Energieball gegen die Wand, wo er einen verkohlten Fleck hinterließ.

Am nächsten Morgen hatte Jade Kopfschmerzen und sie war unruhig, als sie im Bahnhof stand und auf Sylar wartete. „Nervös?“ fragte er als er die Treppe hinab kam. Jade deutete auf die U-Bahn, die gerade einfuhr. „Zwei Stationen noch.“ Die Türen öffneten sich und sie stiegen ein. „Wir waren schon mal dort“, sagte Jade nur, als Sylar fragte, wohin sie fuhren.

***

Charlie erwachte im Morgengrauen. Sie hatte unruhig geschlafen. Als sie die Augen aufschlug, war ihr erste Gedanke: Matt.

Sie sprang aus dem Bett. Mohinder war am Schreibtisch eingeschlafen. Sie weckte ihn nicht, schnappte ihre Jacke und rannte los.

Sie hatte ein schreckliches Gefühl im Magen, das immer schlimmer wurde, je näher sie Matts Wohnung kam.

In der Seitenstraße verwandelte sich Charlie und huschte dann die Feuerleiter hinauf. Als sie am Fenster erschien, war dieses verschlossen.

Matt saß am Küchentisch und sah nachdenklich aus, beinahe traurig.

Charlie stupste mit der Pfote gegen die Scheibe, bis Matt den Blick hob und ein kurzes Lächeln auf seinem Gesicht erschien. Doch er stand nicht auf, er sah nur wieder in seine Kaffeetasse.

Charlie merkte, dass sich etwas in ihm verändert hatte, in den Tagen, an denen sie nicht hier gewesen war. Was war passiert?

Sie setzte sich in einer halbwegs angenehmen Position auf das Fensterbrett, so dass sie aber immer noch die Wohnung im Blick hatte.

Etwas würde passieren, da war sie sich sicher. Und sie sollte Recht behalten.

Matt verschwand in einem anderen Zimmer, kam angezogen zurück, doch er trug nicht seine Polizeiuniform. Er legte die Armbanduhr an und betrachtete sie einen Augenblick, doch schien mit seinen Gedanken ganz woanders zu sein.
Als er den Kopf wieder hob, bemerkte er, dass Charlie immer noch dort saß. Er kam auf sie zu und wollte das Fenster öffnen. In dem Moment flog die Wohnungstür auf und Matt wirbelte erschrocken herum.

Kapitel 12

„Hallo Matt“, sagte Jade ruhig und ging auf ihn zu. „Ich hab jemanden mitgebracht, der mir erklären kann, wie deine Fähigkeit funktioniert.“ Hinter ihr trat Sylar in die Wohnung und verschloss die Tür. Dann hob er die Hand und Matt verzog schmerzverzerrt das Gesicht als Blut aus der frischen Wunde an seiner Stirn quoll.

In diesem Moment splitterte das Fenster hinter ihm und er wurde von der Raubkatze zur Seite geschubst, bevor diese zum Sprung ansetzte und sich auf Sylar stürzte. Sie riss ihn mit sich zu Boden und die Zähne verharrten kurz vor seiner Kehle. Doch das Raubtier biss nicht zu, es spitzte die Ohren, als es seinen Namen hörte und hob den Kopf.

„Charlie, wenn dir etwas an ihm liegt…“ Jade musste den Satz nicht aussprechen, sie hätte auch nicht gewusst, wie sie ihn hätte beenden sollen. `Dann lass Sylar in Ruhe?` Jades glühende Hände waren auf Matt gerichtet und aus ihren Fingerspitzen stoben Funken.

Die Raubkatze fauchte, dann kniete Charlie in ihrer menschlichen Gestalt über Sylar. Während sie sich langsam erhob, sah sie ihm in die Augen. Ihr Blick sagte, dass sie ihn beim nächsten Mal töten würde, genau wie sie Jade töten würde, wenn sie die Chance dazu bekäme und sie diese nicht anders aufhalten konnte.

Plötzlich ertönte die Stimme von Matts Frau, die im Wohnzimmer erschienen war: „Matt, was ist hier….“ Weiter kam sie nicht, denn sie wurde von einem Funkensturm getroffen und sank zuckend zu Boden.

„Nein!“ schrie Matt und wollte zu seiner Frau eilen, doch da wurde er von einem unsichtbaren Schlag getroffen und auf den Boden geschleuderte.

Während Jade für einen Moment wie benommen auf die tote Frau starrte, hatte Sylar auch Charlie zu niedergestreckt.

“Nein!“ rief Jade, als sie sah, dass Sylar auf Charlie, die zu ihm aufsah, zuging. Er blieb stehen und legte den Kopf schief. „Ich hole mir erst ihre Kraft, dann seine und dann kriegst du deine. Das erscheint mir fair.“

„Nein“, wiederholte Jade mit harter Stimme. „Ich brauche sie.“ Sylars Blick war fragend. „Sie ist wichtig.“

Es war klar, dass Sylar diese Antwort nicht reichte, doch was Jade nicht sehen konnte, war die Veränderung in seinem Blick, die in diesem Moment vor sich ging, denn er hatte sich wieder Charlie zu gewandt.

***

Charlie kannte diesen Ausdruck in Sylars Augen. Es war der Ausdruck eines Raubtieres. Denselben hatte sie an ihm gesehen kurz bevor er Dale getötet hatte. Er war jetzt da, wo er sein wollte. Er konnte sich gleich drei Kräfte holen, denn wenn die anderen sich nicht zusammen taten, war er der Mächtigste im Raum. Zumindest ging er davon aus und er ging auch davon aus, dass Jade sich nicht ganz gegen ihn wenden würde, solange sie immer noch hoffte, durch ihn an Matts Kräfte zu kommen.

Charlie registrierte die Bewegung, bevor Sylar sie wirklich ausführte. Er ließ von ihr ab um sich zu Jade zu drehen, welche plötzlich verunsichert wirkte und zwischen Matt, den sie in Schach hielt und der toten Frau hin und hersah..

Charlie verwandelte sich in eine Maus, huschte durch Sylars Beine und stellte sich dann als Mensch zwischen Sylar und Jade. Beide waren gleichermaßen überrascht, denn sie hatten erwartet, dass Charlie sich schützend vor Matt und nicht vor Jade stellen würde. Sylar begriff, dass sie ihn durchschaut hatte und ein merkwürdiges Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

“Ihr beiden hasst euch und gleichzeitig schützt ihr euch“, sagte Sylar. Charlie sah, dass er nachdachte. Sie war konzentriert und bereit sich zu verwandeln. Jeder Muskel war für den Sprung angespannt und sie spürte, wie auch Jade in ihrem Rücken ihre Energie sammelte.

Charlie merkte, wie Sylar die Situation abwog. Gegen beide würde er nicht gewinnen können und so entschied er sich schließlich für den Rückzug und auch Charlie hatte sich dagegen entschieden ihn anzugreifen.

„Ich freue mich schon auf unser nächstes Zusammentreffen.“ Sylars Lächeln war immer noch eher eine bedrohliche Geste als ein wirkliches Lächeln. Bevor er sich abwandte, streckte er mit einer Handbewebung Charlie und Jade zu Boden. Die beiden waren wieder auf den Füßen noch ehe er die Tür erreicht hatte, doch Charlie hatte sich entspannt und auch Jade ließ ihre Hände sinken.

Die beiden Frauen sahen sich in die Augen. „Ich denke, wir müssen uns unterhalten“, sagte Charlie und Jade nickte nur.