Butterflys
- Untitled -


Ein seltsames Gefühl schleicht sich in mir hoch, irgendwas ist im Busch. Nur weiß ich nicht was es sein könnte? Hat er etwas zu verbergen? Er benimmt sich so eigenartig, grenzt mich aus und spricht nur noch das Nötigste mit mir. Oder… Nein, er kann es nicht herausgefunden haben. Wie auch? War ich unaufmerksam? Hat er vielleicht doch eine Ahnung was mit mir los ist?

Jade saß auf dem Sofa und tippte hastig auf ihrem Laptop rum, als ihr Mann Gabriel nach Hause kam. Er hängte Mantel und Schal an die Garderobe und ging mit einem flüchtigen ‚Hallo’ in die Küche. Es war nun schon seit Wochen ein und dasselbe Bild. Das Ehepaar, welches bereits kurz nach der Vermählung einander mied. Auch wenn Jade was hätte sagen wollen, so war sie viel zu sehr in ihre Arbeit vertieft. Sie schrieb an einem neuen Buch, dies sollte ihr größtes Werk werden. Sie hörte Schranktüren zufallen und lautes Gemurmel. „Ich arbeite mir den ganzen Tag den Arsch ab und nun finde ich nicht einmal etwas zu Essen in meinem eigenen Haus!“ brüllte Gabriel und knallte eine Schranktür zu. Nie zuvor hatte er geflucht, nie so rumgebrüllt, ihr nie so eine Angst gemacht. Jade stellte ihre Arbeit beiseite und ging in die Küche, wo sie ihren zornigen Mann vor dem Kühlschrank stehen sah. „Gab? Was ist denn los?“ Er drehte sich wütend zu ihr um, schien dann aber wieder zur Ruhe zu kommen und nahm seine Brille ab. „Ich möchte nur was essen, nichts weiter Jade.“ Sie ging zur Mikrowelle und schaltete sie ein. Das Licht ging an und Gabriel konnte den drehenden Teller mit Hühnchen und Gemüse sehen. Jade sagte nichts weiter und ging zurück ins Wohnzimmer um sich wieder an die Arbeit zu machen. Sie hätte auch nicht die passenden Worte gefunden, da sie völlig verwirrt über das Verhalten ihres Mannes war. Wieder ein Augenblick, an dem sie darüber nachdenken musste, ob die spontane Vermählung eine gute Idee gewesen sei.

Bla bla. Das einzige was ihre Chefin Janice noch von sich abließ. Charlie hielt die Ehe schon ihr Leben lang für überflüssig und auch von festen Bindungen hatte sie nie etwas gehalten. Sie konnte sich selbst nicht treu sein, wie hätte sie einem anderen Menschen so etwas versprechen können? Janice sprach ständig von ihrem Mann und der Partnerberatung und wie schlecht doch alles liefe. Charlie setzte einen verständnisvollen Blick auf und nickte ohne überhaupt nur zuzuhören, worum es eigentlich ging. Schlicht und ergreifend weil es ihr egal war. Sie hatte eigene Probleme und diese behielt sie auch allein für sich. Was würde es auch jemand anderen etwas angehen, wenn er ihr eh nicht helfen könnte? Aber Charlie musste nett und freundlich sein, denn sie arbeitete für Janice und wollte den guten Job mit der fairen Bezahlung und Wohnung nicht verlieren. Ihre Chefin zog sich in ihr Büro zurück und führte ein paar Telefonate. Charlie griff zu ihrem Glas Milch und gab ein leichtes Schnurren von sich, als sie den weichen, zarten Geschmack auf ihrer Zunge spürte. Das Telefon klingelte und sie sah durch das Fenster zu ihrer Chefin, ob die gerade beschäftigt war und nahm dann ab. „Büro von Janice Parkman.“ Ein Räuspern war zu hören und dann die bekannte Stimme von Mr. Parkman. „Ist meine Frau eventuell zu sprechen?“ Charlie legte ihn auf eine Leitung und ging in Janice’ Büro. Diese hielt ihren Hörer zu und blickte fragend „Ihr Mann, ob sie zu sprechen sind.“ Janice flüsterte, dass sie ihn gleich zurückrufen würde und widmete sich wieder ihrem Telefonat. „Mrs. Parkman ist in einem Telefonat, aber ich darf ihnen ausrichten, dass sie sie danach zurückrufen wird.“ Er bedankte sich und sie legten auf.

Jade war wieder von ihrem Traum erwacht. Es war immer das gleiche verschwommene Bild aus dem plötzlich Blut strömte. Sie wickelte sich in eine Decke und ging auf den Balkon, von dem sie über die Dächer von Chinatown blicken konnte. Die Straßen waren leer, nur auf den Hauptstraßen war Verkehr wie am helllichten Tag. Sie schloss die Augen und hörte das Grölen am Himmel. Sie drehte ihren Kopf, so dass es in ihrem Nacken knackte und hörte einen lauten Knall in weiter Ferne. Donner. Sie öffnete die Augen und ein helles Licht blitze am Himmel auf. Unwetter war genau das, wobei sie am besten einschlafen konnte. Doch es war ihr nicht genug. Zunächst tröpfelte es warm auf ihrer Haut und dann stand sie sprichwörtlich im Regen. Sie drehte sich um und lehnte sich ans Geländer um ihren Mann zu beobachten. Das was am Vorabend passiert war konnte sie sich nicht erklären. Gabriel war so ziemlich der ruhigste und harmonischste Mensch dem sie je begegnet war. Sie muss leicht grinsen wenn sie an den Tag ihrer ersten Begegnung dachte. Gabriel war vom Typ her eigentlich eher das Gegenteil von dem, was sie vorher bevorzugte. Er war weder raubeinig, noch laut oder irgendwie einem der Machos ähnlich, die sie sonst so angezogen hatten. Als sie in dem Laden stand und er aus dem Lager mit seiner Brille kam, sah sie etwas an ihm was sie sofort bannte. Und er ließ ähnliches vermuten, als er aufblickte und sie mit offenem Mund anstarrte und fast seine Uhr fallen ließ. Er sollte es sein. Sie hatte nie an mehr als an eine Liebschaft und an Sex gedacht, aber als er von einer Hochzeit sprach, willigte sie ohne nur darüber nachzudenken sofort ein.