Butterflys
Catch me!


„Du kriegst mich nie“ protzte die kindliche Stimme. „Ich bin schneller als ein Jaguar“ antwortete eine andere, ebenfalls junge Stimme. Verschwommen hüpfte ein Mädchen in ihrem rosa Kleid auf einem Trampolin. Es war ein Garten oder ein Park. Dann ein heller Schrei und eine riesige Hand, die direkt auf sie zukam.

Charlie riss die Augen auf und schnappte nach Luft. Nacht für Nacht verfolgten sie dieselben Träume. Immer ging es um spielende Kinder. Es behagte ihr nicht, dass sie diese emotional so mitnahmen, dass sie jede Nacht schweißgebadet wach wurde.

„Du siehst gar nicht gut aus. Ist irgendwas?“ Charlie drehte sich um „Dir auch einen guten Morgen Parkman.“ antwortete sie gespielt gut gelaunt. Schon vor langer Zeit hatte sie ein Auge auf ihren Kollegen geworfen, wusste aber, dass er glücklich verheiratet war und wollte nicht der Grund für eine Scheidung sein. Charlie war eine der jüngsten Agenten beim FBI und wurde daher gerne von ihren Kollegen bemuttert, trotz ihrer oft deutlichen Abwehr. Sie war gut in dem was sie tat, sogar viel besser als die meisten ihrer Kollegen. Was nicht zuletzt an ihrer Fähigkeit lag. Sie hatte viele Eigenschaften der Tiere angenommen, in die sie sich bereits gewandelt hatte. Ein scharfes Auge, schnelle Reaktionen und flinke Füße. Matt war noch nicht lange beim FBI. Er wurde ihr zugeteilt, was ihr anfangs missfiel, da sie ungern mit Partnern unterwegs war, welche sie daran hinderten ihre Fähigkeit zu nutzen.
Auf ihrem Schreibtisch lag eine Akte mit ungeklärten Morden, die auf einen Serientäter zurückzuführen waren. Alle Opfer hatten massive Verbrennungen, Knochenbrüche durch schlagartige Muskelverkrampfungen und Gasbildung im Blut, was auf einen Tod durch Stromschlag hinwies. Matt setzte sich ans Telefon um mit Angehörigen des letzten Opfers, Hana Gitelman, zu sprechen. Währenddessen lief Hanson an ihnen vorbei und warf Charlie einen missachtenden Blick zu. Sie hatte dafür gesorgt, dass Matt zum FBI wechselte. Er sollte zunächst an ihrer Seite arbeiten, doch dann wurde Charlie befördert und man hielt es für besser, wenn er von einer talentierteren Agentin lernen würde. Charlie konnte nur mit dem Kopf schütteln. Sie fand Hanson’s Eifersucht lächerlich, wobei sie sich nicht sicher war ob es um ihre neue Position oder ihren neuen Partner ging.
„Hey, ich hab was. Ihre Schwester wohnt in derselben Gegend wie Sprague.“ Es gab bisher keinerlei Verbindungen zwischen den Opfern, auch keine Gemeinsamkeiten, die ein Motiv erkennbar machen konnten, sie mussten also jeder Spur nachgehen.

„Und sie sagen ihre Schwester war kurz vorher noch bei ihnen?“ Die brünette Israelin nickte mit tränenden Augen. „Kennen sie einen Theodor Sprague? Kannte ihre Schwester ihn? Hatte vielleicht ein Verhältnis mit ihm?“ Die Schwester des Opfers sah Charlie empört an. Matt ging einen Schritt auf sie zu und legte eine Hand auf ihre Schulter. „Hören sie Miss Gitelman, wir wissen, dass der Tod ihrer Schwester ein großer Verlust für sie sein muss, aber wir versuchen einen Mörder zu fassen, bevor er vielleicht noch andere unschuldige Menschen tötet.“ Die beiden gingen ins Haus und unterhielten sich über den Mordtag. Charlie sah sich in der Gegend um und wartete dann im Auto auf ihren Partner.
„Du hast wirklich kein Taktgefühl.“ sagte Matt mit einem schüttelnden Kopf. „Ich bin beim FBI. Ich löse Mordfälle und bin keine Seelsorge. Außerdem hätte es doch sein können, dass sie Sprague kannte“ „Und eine Affäre mit ihm hatte?“ führte Matt fort. Charlie musste grinsen. Die Bemerkung war wirklich nicht sehr taktvoll, aber ihr raubte der Fall den letzten Nerv, weil sie schon so lange das Gefühl hatte auf dem richtigen Weg zu sein. „Ich hab übrigens…“ Sie wurde vom Telefon unterbrochen. „Bricks… Wir sind gleich da.“ Sie grinste und startete den Wagen „Das war der Gerichtsmediziner. Sie haben was Neues.“

„Sehen sie das?“ Es stank bestialisch in dem Raum. Die Leiche der Frau war zuteil verkohlt und roch nach verbranntem Fleisch. Matt hielt sich ein Taschentuch vor die Nase und sah auf den eingebrannten Ring an ihrem Finger. „Dieser Ring ist aus Silber, und er leitet Strom besser als jedes andere Metall. Hier traf der Strom zuerst ein.“ Charlie wollte den Raum so schnell wie möglich verlassen, doch auch sie blickte auf die Eintrittsstelle. „Ja und? Was sagt uns das?“ Der Gerichtsmediziner klärte die beiden über die Tatsache auf, dass es sich weder um einen Blitzschlag handeln konnte, da es keine Austrittsstelle gab, noch um einen Schlag durch Hausstrom oder anderen Normalstrom handelte, da er viel zu stark war und an einer viel zu kleinen Stelle eintrat. „Außerdem hielt die Frau ihre Hand nach vorne, als würde sie etwas abwehren wollen, es gibt allerdings keinerlei Anzeichen von einem Kampf oder ähnliche Spuren.“ Matt und Charlie sahen sich fragend an und alle drei verließen den Raum. „Wollen sie damit sagen die Frau wurde von Strom angegriffen? Ein Art Blitz aus… aus was?“ Der Mediziner schüttelte fragend den Kopf. „Ich weiß es nicht und ich will nichts sagen. Ich sage nur, dass es etwas sehr Außergewöhnliches war.“ Er blickte noch mal in den Raum auf die Leiche und ging dann in sein Büro um den Autopsiebericht zu schreiben. Matt hob die Augenbrauen. „Was?“ fragte Charlie. „Das ist doch nichts. Immer noch keine Spuren oder Hinweise.“

„Parkman, ein neues Opfer.“ Matt schüttelte den Kopf und stellte seinen Kaffee bei Seite. Dieser Fall machte ihm zu schaffen. Immer mehr Opfer fielen in die Tür, in immer kürzeren Abständen. Er und Charlie sahen sich genervt an und standen auf um die Adresse zu bekommen und zum Tatort zu fahren, da stand ein zitternder Mann mit üblem Geruch vor ihnen. Der Kollege drückt ihnen eine verbrannte Tasche in die Hände „Gute Nachricht. Es lebt noch.“ Der Mann sah den Kollegen verstört an. Matt nahm sich seiner an. „Entschuldigen sie meinen Kollegen. Sie sind?“ Charlie reichte ihm einen Stuhl und setzte sich an ihren Schreibtisch. „Mendez. Isaac Mendez.“

Charlie saß auf ihrem Bett, um sie herum Akten und Fotos der Opfer verteilt. Sie kratzte sich am Kopf und schlürfte an ihrer heißen Milch. Es war zum verrückt werden. Sie saß noch sie so lange an einem Fall wie an diesem. Und auch das Verlangen zu Matt wurde nicht weniger, je mehr Zeit sie miteinander verbrachten. Charlie stellte ihr Glas weg und krabbelte über die Papiere, vom Bett sprang eine Katze, raus zum Fenster und die Strassen entlang Richtung Matts Haus. Sie sah Licht im Wohnzimmer und auch im Schlafzimmer in der oberen Etage. Janice, Matts Ehefrau wirbelte mit einem Staubsauger durch das Wohnzimmer und blickte böse drein. Also musste Matt oben sein. Allein. Die schwarze Katze hüpfte grazil die Mülltonne, Garage und das Vordach hoch zur Fensterbank. Das Fenster war geöffnet, doch sie wollte nicht eintreten. Aus den Lautsprechern drang ruhige Musik, das Bett war übersäht von Papieren und aus dem Bad kam Dampf. Gefolgt von dem frisch geduschten Matt. Charlie machte es sich auf der Fensterbank bequem und beobachtete ihn dabei, wie er sich vor den Akten die Haare raufte. Er wurde müde und seine Augen fielen hin und wieder zu. Charlie dachte darüber nach wie gut er aussah und was er für ein toller Mann war, als dieser plötzlich erschrocken in ihre Richtung sah. Die Katze machte einen Buckel und fauchte bevor sie so schnell sie konnte nach Hause rannte. Ihr Herz pochte. Hatte er sie gehört?

Ein wenig verlegen saß Charlie an ihrem Schreibtisch. Sie fühlte sich erwischt und konnte Matt nicht in die Augen sehen. Dieser rieb sich auffällig oft die Stirn. „Bricks?“ Charlie schreckte auf und errötete. „Hast du Kopfschmerztabletten?“ Sie schüttelte nur den Kopf und blickte wieder nach unten. Er lachte leicht auf. „Gestern hatte ich einen verrückten Traum. Die Arbeit steigt mir noch zu Kopf. Ich glaubte eine Katze…“ Charlie unterbrach ihn. „Wir sollten zu Mendez fahren, mir ist da etwas noch unklar.“

Niemand reagierte auf das Klopfen. „Mr. Mendez? Parkman vom FBI. Mr. Mendez?“ Plötzlich war ein Schrei und Krach von drinnen zu hören. Charlie und Matt zogen ihre Waffen, nickten sich zu und Matt stürmte die Tür. Isaac Mendez lag am Boden und blickte Hilfe suchend Richtung Tür. Eine Frau sah zu den beiden hoch und innerhalb kürzester Zeit passierten seltsame Dinge. Charlie sah die Frau erschrocken an, stieß dann Matt zur Seite und wandelte sich in die schwarze Katze, während die Frau einen Blitz aus ihren Händen Richtung Tür schießen ließ. Matt sah auf den verkohlten Türrahmen, in dem er zuvor noch gestanden hatte. Die Frau wandte ihren Blick suchend über die Schränke, auf der sich die Katze versteckt hatte. „Oh, ihr macht es mir viel zu einfach!“ Sie stampfte an den Gemälden vorbei. Matt drehte sich hinter eine kleine Kommode und ging in Stellung die Frau jeden Moment ins Visier zu nehmen. Da hörte er eine Stimme, eher ein Gemurmel. „Matt mach keinen Blödsinn. Drei. Zwei…“ Er sah in die Richtung, aus der er die Stimme vermutete und die Katze sprang auf den Kopf der Frau und krallte sich in ihrem Gesicht fest. Diese zerrte an dem Fell des Tieres und schmiss es schreiend zu Boden. „Du Miststück, ich mach dich fertig.“ Matt konnte nicht glauben was er sah, besonders nicht, als aus der Katze plötzlich eine Maus wurde, die sich unter einem Schrank Schutz suchte. Die Frau schoss mit Blitzen auf den Schrank, und auf die nächsten unter denen sich die Maus verstecken wollte. Er stand auf „Schluss damit!“ schrie er und schoss der Frau in die Schulter. Diese fiel zu Boden und Matt blieb wie angewurzelt stehen. Das Mäuschen kam hervor und wurde zu einer menschlichen Gestalt. Charlie sah Matt kurz an und lief dann zu der Frau, die am Boden lag und ihre Wunde hielt. Sie legte ihr Handschellen an und drehte sie zu sich um. Tausend Bilder schossen vor ihren Augen wie ein Film ab. „Du?“

Nachdem die Frau auf einen Stuhl gesetzt wurde, Isaac Mendez in ein Bett gelegt wurde und Matt sich um ihn kümmerte ging er zu Charlie. „Was war das da eben?“ Sie rieb sich ihr schmerzendes Handgelenk und sah aus dem Fenster. „Ich meine, da war diese Frau, der zischende Blitze aus den Händen flogen, du eine Katze, eine Maus, und dann…“ Er sah völlig verwirrt aus und wartete eine Antwort. Die eben noch fluchende Frau lachte auf. „Das ist also Charlie Bricks. Die Wandlerin.“ Charlie und Matt sahen fragend in ihre Richtung. Charlie stampfte auf sie zu „Was hast du da gerade gesagt?“ Der Frau blutete die Wunde, das Gesicht zerkratzt von Charlies Krallen. „Eine Maus, ein Elefant, eine Schlange. Aber dein liebstes Tier ist doch die Katze, nicht wahr?“ Charlie griff ihre Schulter „Wer bist du?“ Ein lauter Schrei, inzwischen kam auch Matt dazu. „Du hast eine Liste?“ Die Frauen sahen ihn entsetzt an. „Was für eine Liste? Wovon sprichst du Parkman?“ Die Frau sah nun zwischen Charlie und Matt hin und her. „Matt Parkman?“ Nun sah er sie verwirrt an und sie lachte lauthals los, was in einem schmerzverzehrten Husten endete. „Woher weiß sie deinen Namen. Was für eine Liste? Was ist hier los Matt?“ Sein Blick war suchend, dann hob er abwehrend die Hände „Nein, ich hab damit nichts zu tun.“ „Das hab ich doch gar nicht behauptet“ erwiderte Charlie. Die Frau unterbrach die beiden um Klarheit zu schaffen. „Aber du hast es gedacht. Darf ich vorstellen, Telepath, Wandlerin, dahinten liegt der Vorherseher, der dank euch immer noch am leben ist. Und bevor er noch weiter in meinem Kopf schwirrt, ich habe eine Liste, auf der ihr alle draufsteht, damit ich euch finden und töten kann. Wenn ich diese verfluchten…“ Plötzlich zischte es und helle Blitze leuchteten auf. Doch statt damit irgendwas zu tun, verletzte sich die Frau nur selbst, durch die nasse Wunde an ihrer Schulter.

Isaac war inzwischen aufgestanden und wollte die ganze Situation erklärt haben. „Telepath?“ Matt sah zu Charlie und öffnete dann den Mund als es ihm einfiel. „Das war kein Traum. Du warst die Katze auf meiner Fensterbank. Ich hab deine Gedanken gehört. Du findest ich sehe gut…“ Charlie schloss die Augen. Das Alles war so verwirrend und nun auch noch diese Blöße. „Och wie süß“ sagte die Frau und lachte verächtlich. Charlie reichte es. Sie schloss die Faust zusammen und schlug… die geschlossene Faust hielt einen Zentimeter vor dem Gesicht der Frau. Charlie riss die Augen auf vor Verwunderung. „Sylar“ murmelte die ebenfalls verblüffte Frau auf dem Stuhl. „SYLAR!“ schrie sie nun und kippte mit dem Stuhl um in der Hoffnung sie lösen zu können. Da blickten die drei anderen auch schon zur Tür. Der Mann in der Tür grinste und mit einer Handbewegung knallte Isaac an eine Wand und mit der nächsten Bewegung schossen ihm Pinsel durch die Hände und nagelten ihn an die Wand. Dieser schrie vor Schmerzen, während Matt und Charlie seine Waffen zogen. Sylar lief auf sie zu, bewegte einen Finger und die Waffen flogen durch den Raum. Eine weitere Bewegung schlug beide in eine Ecke und hielt sie dort fest. Er lief auf die am Boden zappelnde Frau und beugte sich über sie. „Du wurdest von zwei einfachen Polizisten geschnappt? Wie erbärmlich. Um euch kümmere ich mich gleich, sein Finger bewegte sich erneut und die Frau wurde zu Matt und Charlie geschossen und ein massiver Schrank bewegte sich vor die drei. Durch einen Spalt konnte Matt mit ansehen, was Sylar Isaac antat. „Öffnet die Handschellen“ Charlie sah sie an. „Ja klar!“ wandelte sich und sprang auf den Schrank und beobachtete entsetzt das Geschehen. Sie dachte an eine Raubkatze. Matt sah nach oben, hörte ihre Gedanken und rief „Nein, tu das nicht“ Das machte Sylar aufmerksam, der eine Art Feuerball auf den ihm entgegen springenden Löwen abfeuerte. Charlie fiel als Mensch bewusstlos zu Boden. Die Frau wandte sich zu Matt. „Öffne die verdammten Handschellen, ich bin die einzige die ihn aufhalten kann. MATT!“ Matt suchte nach den Schlüsseln und öffnete mit zitternden Händen die Handschellen. Die Frau rieb sich die Handgelenke und schoss dann mit einem Stromstoß den massiven Schrank beiseite. Sie war so voller Hass und Energie, dass sie den Schmerz ihrer Schulter völlig vergaß. „Oh ja Jade, lass uns spielen.“ Er wedelte mit den Fingern und Leinwände flogen auf Jade zu, die diese mit Blitzen zerstörte als sie auf ihn zulief. Er hob die Hand und stoppte ihren Gang. Ihre Hände wollten reagieren, doch sie war wie gelähmt. Er ging langsam auf sie zu. Sie konnte seinen Atem spüren. „und du glaubst wirklich“, begann er leise in ihr Ohr zu sagen „du könntest mich aufhalten? Du kleines, armes Wesen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie ich deine Kraft genießen werde.“ Sein Zeigefinger erhob sich, damit er ihren Schädel ebenso wie den von Isaac öffnen konnte. Ein Schuß. Ein weiterer. Die Schüsse kamen von einem Mann, der in der Tür stand. Er trug eine Hornbrille.